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Bewegung des Hundes im Winter – dürfen Spaziergänge auch mal kürzer ausfallen?

– und wie kann man als Hundehalter für Ausgleich sorgen?

 

Welcher Hundehalter kennt das nicht: es ist bitterkalt draußen oder regnet ohne Unterlass – und der Vierbeiner braucht natürlich seine Bewegung. So weit so gut. Natürlich müssen unsere Hunde auch bei schlechtem Wetter spazieren gehen. Das liegt in der Natur der Dinge.  Es gibt viele sehr robuste Vierbeiner, denen selbst widrigste Wetterbedingungen nichts anhaben können. Allerdings gibt es auch jene, bei denen die Freude am Spaziergang bei richtig schlechtem Wetter eher gedämpft ist.

 

Aber darf ein Spaziergang auch mal kürzer ausfallen, oder schadet das dem Hund?

Schnell werden Hundehalter von einem schlechten Gewissen geplagt, wenn der Vierbeiner beim größten “Schietwetter” mal nur eine kleine Gassirunde läuft. Allerdings ist es so, dass man ehrlicherweise sagen muss, dass es nur menschlich ist, wenn die Freude an einem ausgiebigen Spaziergang bei widrigsten Wetterbedingungen mal zu wünschen übriglässt.

Das ist übrigens nicht nur bei uns Menschen so. Nicht wenige Hunde machen an der Haustüre kehrt, wenn sie sehen, dass es stürmt und regnet.

Aber was tun? Die Zähne zusammenbeißen und diszipliniert laufen?

Aus hundephysiotherapeutischer und allgemeingesundheitlicher Sicht, kann ich Ihnen sagen, dass es für unsere Hunde wichtig ist, dass sie regelmäßige Bewegung bekommen.

Das gilt nicht nur für den Bewegungsapparat, damit die Muskulatur kräftig und die Gelenke beweglich bleiben. Auch das Herz-Kreislaufsystem und die Lungenfunktion wollen regelmäßig trainiert werden.

Das passiert, wenn die Bewegung auf der Strecke bleibt

Wenn die Bewegung auf der Strecke bleibt, rostet der Vierbeiner recht schnell ein. Die Gelenke werden steif, es kommt zu Gelenkproblemen wie Arthrose und die Muskulatur wird immer schwächer. Auch das Herz wird schwächer in seiner Leistungsfähigkeit, wenn es nicht regelmäßig gefordert wird.

Zudem sind die regelmäßigen Spaziergänge auch für das seelische und geistige Wohl unserer Hunde immens wichtig. Die verschiedenen Eindrücke, Gerüche und auch Hundekontakte lasten unseren Hund aus und machen ihn zufrieden.

 

Darf man als Hundehalter keine Rücksicht nehmen, wenn der Hund deutlich zeigt, dass er keine Freude an ausgiebigen Spaziergängen durch den strömenden Regen hat?

Doch das dürfen Sie! Wichtig ist, dass Sie ein gesundes Mittelmaß finden. Grundsätzlich liegt es in Ihrer Verantwortung, dass Ihr Hund regelmäßige und auch ausreichende Bewegung bekommt.

Wenn es allerdings so ist, dass der Vierbeiner ganz offensichtlich keine Freude am “Regengassi” hat, darf der Spaziergang auch kürzer ausfallen.

Sie dürfen also beruhigt Rücksicht auf Ihren Hund nehmen. Es kommt durch kürzere Gassigänge in Ausnahmesituationen in der Folge auch nicht gleich zu gesundheitlichen Problemen.

Ältere Hunde und Vierbeiner mit Gelenkproblemen bei “Schietwetter”

Besonders ältere Hunde frieren schnell, da der Stoffwechsel sich von Natur aus im Alter verlangsamt. Widrigen Wetterbedingungen haben Seniorhunde dann weniger entgegenzusetzen. Auch das Immunsystem ist schwächer. Das sollten Sie bei Spaziergängen im Herbst und Winter bedenken.

Wenn Ihr Hund unter Gelenkerkrankungen wie Arthrose oder Hüftdysplasie leidet, oder er eine Rückenerkrankung wie Spondylose hat, empfehle ich ebenfalls, auf die Wetterbedingungen Rücksicht zu nehmen.

Zusätzlich lege ich Ihnen ans Herz, Ihren Vierbeiner mit einem Hundemantel zu schützen. Das verhindert, dass er auskühlt und Feuchtigkeit und Kälte in die Gelenke kriechen. Selbiges gilt übrigens auch für Hunde, die kein Unterfett und auch kein Unterfell haben, wie beispielsweise Windhunde.

 

Wie kann man für Ausgleich sorgen, wenn die Spaziergänge kürzer ausfallen?

Eingangs beschrieb ich bereits, dass es für Hunde – wie für Menschen – unerlässlich ist, in Bewegung zu bleiben. Es gibt einige sehr einfache Möglichkeiten, für einen Bewegungsausgleich zu sorgen, wenn der Spaziergang einmal kürzer ausfällt.

 

So können Sie kurze Spaziergänge aufpeppen!

Unterwegs auf dem Spaziergang hebt die Interaktion zwischen Hund und Mensch die Stimmung und lässt den Regen und den Wind ein wenig vergessen. Hier können Sie nutzen, was Natur und Umgebung Ihnen bieten.

Lassen Sie Ihren Hund im Wald beispielsweise langsam um Baumstümpfe Slalom laufen. Auch Poller in der Stadt können Sie dafür sehr gut nutzen. Bei dieser Übung verlagert Ihr Hund sein Körpergewicht von einer Körperseite auf die andere. Er muss sich ausbalancieren. Zugleich wird die Wirbelsäule leicht nach links und rechts gebeugt. So sorgen Sie gleich für mehr Flexibilität in der Rückenmuskulatur und der Wirbelsäule.

Lose umherliegende Äste im Wald können Sie nutzen, damit Ihr Hund sie als kleine Hürden überwindet. Pfote für Pfote angehoben trainieren Sie damit die Gelenkbeweglichkeit aller vier Läufe. Hinzu kommt, dass er sich ausbalancieren muss und seine Koordination so ganz einfach trainiert.

 

Indoor- “Agility” oder auch „Pilates für Hunde“

Sollte es draußen wirklich so richtig ungemütlich sein, dann verlagern Sie die Aktivität mit Ihrem Vierbeiner einfach nach drinnen. Dafür braucht es weder viel Platz noch besonderes Equipment. Es sind auch nicht immer die großen und aufwändigen Tricks, die den größten Effekt haben. Schon bewusst und gezielt ausgeführte Alltagsbewegungen haben eine positive Wirkung auf die Gelenke und Muskulatur.

Mit Alltagsbewegungen für Fitness sorgen

Wussten Sie beispielsweise, dass ein einfacher Steh Sitz Transfer die gesamte Muskulatur der Hinterläufe trainiert? Auch die untere Rückenmuskulatur wird beansprucht. Zudem werden sowohl Hüft- als auch Knie- und Sprunggelenk gebeugt und gestreckt. Der Effekt dieser bewusst ausgeführten Bewegung ist also immens.

Auch ein Sitz Platz Transfer ist eine tolle Übung. Wenn Sie Ihren Hund vom Sitz ins Platz bringen und ihn dann wieder vom Platz ins Sitz wechseln lassen, wird das Ellbogengelenk gestreckt und gebeugt. Die Muskulatur des gesamten Vorderlaufes wird trainiert.

Einen ähnlichen Effekt erreichen Sie, wenn Sie Ihren Hund Pfote oder “High Five” geben lassen. Wenn Sie sich die beiden Vorderpfoten abwechselnd geben lassen, fördern Sie zusätzlich die Koordination Ihres Hundes.

Dies sind natürlich nur einige Anregungen, wie sie unterwegs und Zuhause für eine kleine Extra-Bewegungseinheit sorgen können. Auch Slalom durch die Beine laufen – ob draußen oder drinnen – ist für viele Hunde ein großer Spaß und trainiert die Koordination und die gleichmäßige Belastung beider Körperseiten. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Bitte achten Sie allerdings immer darauf, dass Ihr Hund sich nicht in gefährliche Situationen bringt oder sich zu sehr verausgabt.

Fazit zum Thema: dürfen Spaziergänge im Herbst und Winter auch mal kürzer ausfallen?

Sie sehen, Spaziergänge dürfen auch ohne schlechtes Gewissen ab und an kürzer ausfallen. Das sind sicher Situationen, die jeder von uns Hundehaltern sehr gut kennt. Es gibt viele ganz leichte Möglichkeiten, trotzdem für genügend körperliche Beanspruchung und Auslastung Ihres Hundes zu sorgen – sowohl unterwegs als auch im Haus.

 

PS: Schlussendlich ist frische Luft aber in jedem Fall gesund und wichtig! Vom Herbstwind durchgepustet nach Hause zu kommen und  sich dann warm einzukuscheln, ist ein ganz tolles Gefühl für Hund und Mensch!

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