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Hundebegegnungen ohne Stress

Das Thema Begegnungen hat für uns Zweibeiner in diesen Zeiten eine ganz besondere Bedeutung. Müssen wir uns doch daran gewöhnen, bei unvermeidlichen Begegnungen einen Sicherheitsabstand zu wahren. Da dabei auch Hundehalter aufeinander treffen, bietet es sich an, mal einen genaueren Blick auf das Thema Hundebegegnungen zu werfen. Denn unterwegs mit jedem Artgenossen Kontakt aufzunehmen oder die Vierbeiner toben zu lassen, ist in nächster Zeit nicht wie gewohnt möglich. Wessen Hund gelernt hat, an der Leine ohne Kontaktaufnahme und entspannt an Artgenossen vorbei zu gehen, ist jetzt gut dran und spart sich Stress.

 

Viel diskutiertes Thema

Darüber, wie Begegnungen zwischen Vierbeinern ablaufen sollten, wird oft heiß diskutiert. Stehen die einen auf dem Standpunkt, dass der Hund unbedingt Kontakt zu jedem Artgenossen braucht, gibt es die andere Seite, die es für richtig hält, jeglichen Kontakt zu fremden Hunden zu unterbinden. Unter anderem deshalb, weil Hunde angeblich von sich aus grundsätzlich lieber jede Begegnung mit Artgenossen vermeiden würden, nur Stress damit hätten und nie wirklich mit einem fremden spielen würden.

 

Wie so oft, liegt auch beim Thema Hundebegegnungen das Optimum irgendwo in der Mitte, an der jeweiligen Situation und am individuellen Vierbeiner.

Ein Beispiel, das ich vor wenigen Tagen beobachten konnte: Ich war ohne Hund unterwegs, vor mir ein Paar mit einem frei laufenden Vierbeiner. Weiter vorn kam eine Frau mit angeleintem Hund in Sicht. Das Paar registrierte das, dachte mit und leinte den eigenen Hund gleich an. Bis hierher völlig richtig, der zweite Teil ging dann aber schief. Denn auf gleicher Höhe angekommen, blieben alle Beteiligten stehen. Beide Hunde zerrten an ihren Leinen zueinander. Erst als sie begannen, sich ordentlich „anzugiften“, gingen die Halter weiter.  Dass so eine Begegnung keinen Nutzen für Hunde oder Halter hat bzw. sich so etwas im Gegenteil negativ auswirkt, liegt auf der Hand.

 

Um die verschiedenen Aspekte zu beleuchten, werfen wir einen Blick auf die unterschiedlichen „Begegnungsszenarien“ und wie man sich – im Sinne des Hundes und aus Rücksicht auf andere – warum man sich dabei wie am klügsten verhält.

 

Wie viele Sozialkontakte sind überhaupt notwendig?

Hunde brauchen Kontakte zu Artgenossen. Aber nicht täglich und nicht zu jedem Vierbeiner, dem sie begegnen. Hin nun wieder, so wie sie sich im Alltag ergeben, reicht. Viele von uns werden in der nächsten Zeit weniger Kontakt zu anderen Hundehaltern haben und dann feststellen, dass das unseren Vierbeiner in keiner Weise beeinträchtigt. Welpen und Junghunde sollten jedoch regelmäßig geeignete Artgenossen treffen, um während der Sozialisierungsphase das arteigene Sozialverhalten einüben zu können. So werden sie später routiniert und gelassener im Umgang mit ihresgleichen.

Sozialkontakte auswählen

Gerade bei Welpen und Junghunden ist es wichtig, geeignete Artgenossen auszuwählen. Zum einen, um sie körperlich nicht zu überfordern, wenn sie etwa mit einem viel zu schweren, stürmischen oder großen Hund toben. Zum anderen deshalb, damit sie keine negativen Erfahrungen machen. Das wäre z.B. dann der Fall, wenn der Artgenosse keine Welpen mag und daher ohne Grund aggressiv reagiert.  Aber war da nicht was mit Welpenschutz? Nein, der existiert nicht, bzw. beschränkt er sich in der Natur nur auf die Welpen des eigenen Rudels. Wie erwachsene Hunde auf Welpen reagieren, ist individuell unterschiedlich.

Doch auch bei erwachsenen Hunden sollte man bei Kontakten nach Bauchgefühl und gesundem Menschenverstand entscheiden. So ist etwa die Begegnung eines stürmischen Halbstarken mit einem alten Hund nicht unbedingt die ideale Kombination.

Müssen Hunde spielen?

Abgesehen davon, dass Welpen spielen, um Verhalten einzuüben, spielen Hunde unterschiedlich gern. Sie müssen also nicht spielen. Deshalb sind größere Hundetreffs durchaus kritisch zu sehen. Denn Vieles, was der eine oder andere Hundehalter als „Spiel“ einstuft, ist wildes Toben, Mobbing und Überforderung. Trifft der Vierbeiner dagegen auf einen einzelnen oder zwei Artgenossen, können die sich gut austauschen.

Sollten Hunde alles unter sich ausmachen?

Nein, denn Vierbeiner, die sich draußen treffen, gehören nicht zu einem Rudel. Sie als Teamchef sollten Ihrem Hund Sicherheit vermitteln und ihm, wenn nötig, helfen. Das kann etwa dann sein, wenn Ihre Hündin von einem Rüden belästigt wird und sie ihn nicht entsprechend in die Schranken weisen kann oder wenn Ihr eher zurückhaltender Vierbeiner von einem anderen angeknurrt oder bedrängt wird oder der andere unbedingt toben möchte und dessen Halter nicht aktiv wird. Eine Möglichkeit ist dann, den eigenen Hund abzuschirmen und zügig weiter zu gehen.

 

Kontakte ohne Leine

Ohne Leine laufen Begegnungen natürlich ab. Schon während die Hunde sich aufeinander zu bewegen, verständigen sie sich durch feinste mimische Signale und Körpersprache. Dabei können sie schon entscheiden, ob einfach jeder seiner Wege geht, ob man sich kurz begrüßt und rundum beschnüffelt, ob man ein Spielchen einlegt usw.  Bei unterschiedlichen Vorstellungen einigt man sich. Die weitaus größte Teil solcher Begegnungen verläuft völlig problemlos oder allenfalls mit eventueller kurzer Meinungsverschiedenheit. Frei laufend haben Hunde genügend Platz um sich zu verständigen. Ganz gleich, ob sie sich letztlich ausweichen, einfach weitergehen oder miteinander spielen wollen.

Was ist ein Spiel?

Auch einander fremde Hunde können sich so sympathisch finden, dass sie ein Spielchen einlegen. Die Körpersprache ist dabei entspannt und die Rollen, etwa bei einem Rennspiel wechseln. Oder es findet einer z.B. ein kleines Stück Holz und animiert den anderen, es ihm abzujagen. Auch bei dieser Variante können die Rollen getauscht werden.

Kein Spiel ist esjedoch, wenn immer derselbe der Gejagte ist und/oder vom anderen „untergebuttert“ wird. Bei manchem Vierbeiner kippt „Spiel“ leicht in Jagdverhalten. Auch wenn einer keine Lust hat und „flüchtet“, der andere das aber nicht akzeptiert, ist das das Ganze kein Spiel mehr. Dann sind Sie gefragt, ihrem Hund zu helfen.

Kritische Situationen

Begegnen sich Rüden, umkreisen sie sich häufig und jeder will dem anderen imponieren. Meist lösen sich auch solche Situationen von selbst auf, sofern man den Hunden Platz lässt und jeder Zweibeiner gelassen weitergeht.

Hunde sind recht unterschiedlich. Kennt man seinen Vierbeiner gut und ist man vorausschauend unterwegs, lassen sich wirklich kritische Situationen vermeiden. Manche Hunde verteidigen z.B. ihre Ressourcen. Weil man das bei Begegnungen mit fremden Vierbeinern nie wissen kann, bleiben Happen und Spielzeug besser in der Tasche.

Wessen Hund z.B. grundsätzlich keine kleinen Hunde, keine Rüden, keine Hündinnen, keine Welpen mag, Angst vor Artgenossen oder welche Besonderheiten auch immer hat, sollte entsprechende Kontakte vermeiden und keine Experimente probieren. Das nützt nicht nur dem eigenen Hund, sondern auch dem ahnungslosen anderen. Womit wir beim nächsten häufigen Diskussionspunkt wären – der Leine.

 

Begegnungen an der Leine

Die Leine ist das Mittel schlechthin, um den Vierbeiner in bestimmten Situationen bei sich zu behalten und damit diverse Probleme zu vermeiden. Etwa wenn Radfahrer oder Reiter auf demselben Weg sind, in der Nähe von Straßen, in der Stadt oder wo eine Leinenpflicht besteht. Überall dort kann es auch zu Begegnungen mit anderen angeleinten Hunden kommen. Nun sind viele Hundehalter der Meinung, angeleinte Hunde müssten sich „begrüßen“. Wenn man sich aber vergegenwärtigt, wie Kontakte mit Artgenossen ablaufen und dass Hunde dazu Raum brauchen, ergibt sich eigentlich von selbst, dass Kontakte an der Leine – egal ob einer oder alle angeleint sind – nicht das Gelbe vom Ei ist sind. Der, der vielleicht weg möchte, egal ob aus Angst oder weil er keine Lust auf Kontakt hat, kann das an der Leine nicht. Zwei Rüden, die sich abchecken wollen, haben an der Leine nie den nötigen Raum. Zuletzt können sich auch noch die Leinen verheddern, was zusätzlich Missverständnisse oder gar Panik verursacht.

Schneller als man denkt, hat man letztlich ein selbstgemachtes Problem –  einen leinenaggressiven Hund. Erinnern Sie sich an das Beispiel am Anfang meines Artikels.

Rücksicht nehmen

Neben der Sache mit der eingeschränkten Kommunikation gibt es aber noch etliche andere Gründe, weswegen Kontakte mit Leine ungünstig sind. So kann ein Hund nach einer Operation oder weil er krank ist, geschont werden müssen. Oder aber wegen der Läufigkeit oder weil er unverträglich ist, an der Leine bleiben müssen. Vielleicht übt der Halter aber auch gerade etwas. Letztlich ist der Grund aber egal. Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass man seinen frei laufenden Hund zu sich holt, wenn einem ein angeleinter begegnet. Auch wenn der eigene noch so nett ist und „nur spielen“ will….. Die Aufforderung, den angeleinten doch abzuleinen – was nicht selten der Fall ist – ist deshalb  wenig sinnvoll. Wer das mit dem Anleinen nicht so eng sieht, könnte sich selbst einmal in die Lage versetzen, einen gehandicapten Hund zu haben, der für einige Zeit nur an der Leine gehen darf und sich dann vorstellen, wie es wäre, wenn ein fremder auf seinen kranken Vierbeiner zu „brettert“ und nur spielen will. Da wäre man zurecht alles andere als begeistert.

Wer in eine solche Situation kommt,  sollte den anderen Hundehalter bitten, seinen Vierbeiner zu sich zu holen und den eigenen abschirmen.

Üben

Damit das Vorbeigehen an angeleinten Artgenossen Routine wird, gehört diese Übung zum Pflichtprogramm eines jeden Vierbeiners. Lenken Sie die Aufmerksamkeit Ihres Hundes rechtzeitig auf sich, etwa mit Hilfe von besonderen Leckerbissen oder dem absoluten Lieblingsspielzeug.  Führen Sie ihn an Ihrer Außenseite in einem Bogen und ohne stehen zu bleiben am anderen Hund vorbei.

Vorteile

Ist Ihr Hund es gewohnt, angeleint keinen Kontakt zu haben, ist das auch für den Alltag sehr nützlich. Denn so hat Ihr Vierbeiner keinen Stress, wenn etwa im Biergarten unter dem nächsten Tisch auch ein Hund liegt.  Andernfalls versucht er vielleicht, dorthin zu kommen und ist frustriert, wenn er nicht darf. Dann wird er möglicherweise unruhig oder beginnt zu bellen.

Außerdem vermeiden Sie, dass Sie unbewusst das Ziehen an der Leine fördern. Denn begegnen sich angeleinte Hunde, zerren sie meist an straffen Leinen zueinander. Der Zweibeiner gibt nach und schon lernt der Hund, dass Zerren etwas bringt.

Es lohnt sich also, dran zu bleiben!

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