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Körpersprache des Hundes- Richtig mit dem Hund kommunizieren

Beschwichtigungssignale – Richtig mit dem Hund kommunizieren

 

Beschwichtigungssignale, oder auch Demutsgebärden oder Calming Signals genannt, sind genetisch fixierte „Höflichkeitsfloskeln“, die dem Hund in der Kommunikation mit Artgenossen und Menschen helfen, sich in unbehaglichen Situationen zu verständigen, um gegen sein Gegenüber einzulenken, um einen möglichen Konflikt abzuwenden. Außerdem dienen sie dem Hund dazu, sich selbst zu beruhigen.

Welche Beschwichtigungssignale gibt es?

Alle Beschwichtigungssignale, die der Hund zeigt, sind doppelbelegte Signale. Sie müssen also im Gesamtkontext der Situation betrachtet und interpretiert werden. So kann ein Gähnen einfach nur bedeuten, dass der Hund müde ist. Oftmals zeigt Gähnen des Hundes aber auch Überforderung. Neben dem Gähnen sind weitere Beschwichtigungssignale auch den Kopf oder den ganzen Körper abwenden, Pföteln, sich im Bogen zu nähern, die Augen zusammenzukneifen, Züngeln bzw. sich über die Nase oder Schnauze lecken, ohne erkennbaren Grund auf dem Boden schnüffeln, Erstarren oder die Vorderkörpertiefstellung.

Im Folgenden gehen wir auf die fünf Beschwichtigungssignale ein, die in der Regel am häufigsten gezeigt werden.

Gähnen

Hunde gähnen, wenn sie müde sind. Sie zeigen dieses Verhalten aber auch in Stresssituationen und wenn sie sich überfordert fühlen. Auch um sich in Stresssituationen herunterzufahren, wird Gähnen eingesetzt. Sie erleben Gähnen vielleicht auch häufig im Training, auf dem Hundeplatz oder beim Einüben von Tricks als Zeichen von zu viel Druck des Halters oder von Überforderung. Ihr Hund möchte damit sagen: „Können wir bitte aufhören oder einen Schritt zurückfahren? Das ist mir hier gerade etwas zu viel.“

Den Körper oder Blick abwenden

Was Sie bei genauer Beobachtung auch erkennen können, ist das Abwenden des Blicks oder sogar des gesamten Körpers. Wenn sich ein Hund unwohl fühlt oder auch, wenn er kein Interesse an einem entgegenkommenden Hund hat, wendet er seinen Blick ab (eher bei Unsicherheit oder Unwohlsein) oder auch den ganzen Körper (eher bei Desinteresse). Auch Hunde, die genervt sind, wenden ihren Körper ab, um ihrem Gegenüber freundlich mitzuteilen: „Jetzt habe ich keine Lust auf Interaktion mit dir.“ Auch Hunde, deren Menschen sich beim Geschirr anziehen über sie beugen, wenden gerne den Blick, Kopf oder Körper ab. Dieses Verhalten sieht man zudem häufig beim Streicheln über den Kopf des Hundes.

Pfote heben

Hunde pföteln oft, wenn sich ein Hund bei einer Hundebegegnung annähert. Häufig wird die Pfote gehoben, während sich die Hunde während der Begrüßung am Hinterteil beschnuppern. Dies ist ein typisches Signal, das oftmals in Kombination mit anderen Beschwichtigungssignalen auftritt. Auch das Pfoteheben wird regelmäßig gezeigt, wenn der Hund sich leicht bedrängt und eingeschränkt fühlt, wie auch hier beim Geschirr Anziehen. Dies erkennen Sie an eingeknickten Hinterläufen und einer nach hinten verlagerten Körperhaltung.

Augenkontakt vermeiden

Sich tief in die Augen zu sehen ist ein menschliches Konzept und beim Hund eher als fixierendes, aufforderndes und provozierendes Verhalten mit starren Blicken zu beurteilen, was also das genaue Gegenteil von Beschwichtigung bedeuten würde. Daher ist es höflich, den Blick abzuwenden und Augenkontakt zu vermeiden. Wenn Hunde aufeinandertreffen und sich höflich nähern, schauen sie in entgegengesetzte Richtungen oder an dem anderen vorbei. Ständiges Blinzeln steht dabei übrigens für Unsicherheit.

Züngeln

Auch züngeln oder sich übers Maul lecken sieht man sehr häufig als Beschwichtigungssignal. Züngeln ist in seiner Bedeutung doppelt belegt, denn sich über die Nase oder Schnauze lecken zeigen Hunde natürlich auch nach dem Fressen. Züngeln wird von unseren Hunden sehr häufig als Signal zur Beschwichtigung eingesetzt, insbesondere dann, wenn man mal etwas zu grob mit seinem Hund umgeht, indem man beispielsweise die Stimme für den Hund etwas zu stark erhebt. Auch bei Überforderung wird dieses Beschwichtigungssignal gezeigt und generell, wenn man mit zu viel Druck arbeitet. Dieses Signal bemerken Sie als Halter nicht immer sofort, da es sehr schnell gezeigt wird und nicht lange andauert. Der Hund versucht hierdurch außerdem etwas mehr Abstand zu schaffen. Dadurch lernen Hunde untereinander ihre Individualdistanz kennen und einzuhalten.

Beschwichtigungssignale zur besseren Kommunikation in Ihrem Mensch-Hund-Team

Für Ihre Mensch-Hund-Bindung ist es sehr von Vorteil, die Beschwichtigungssignale Ihres Hundes zu verstehen, denn er versucht sich damit verständlich zu machen. Strafen wir ihn oder gehen nicht auf ihn ein, werden seine Bedürfnisse nicht wahrgenommen. Lernen Sie Ihren Hund zu verstehen, mit ihm klar zu kommunizieren und nehmen seine beschwichtigenden Signale war, fühlt sich Ihr Hund verstanden und sicher. Und das ist das aller wichtigste und nachhaltigste, was Sie für Ihren Hund tun können und natürlich auch das Schönste, da Sie sich gegenseitig verstanden fühlen und Sie klar miteinander kommunizieren können.

Unser Tipp: Filmen Sie sich beim Üben mit Ihrem Hund

Um Ihren Hund besser zu verstehen, können Sie sich und Ihren Hund beim Training filmen und sich das Video im Nachhinein ansehen. Wann hat Ihr Hund beschwichtigt? Hat er seine Pfote gehoben oder sich über die Nase geleckt? Hat er seinen Blick zwischendurch abgewendet? Falls ja, dann war das Lernpensum eventuell zu viel oder der Druck für ihn zu hoch. Selbst, wenn wir es gar nicht so gemeint haben und keinen Druck aufbauen wollten, so kann es dennoch bei unserem Hund so ankommen. Es lohnt sich also sehr, hier mal genauer hinzuschauen, damit sich Ihr Hund bei Ihnen als seinen Halter, seiner Bezugsperson, sicher fühlen kann und weiß, dass er sich auf Sie verlassen kann. Das führt auch zu mehr Vertrauen auf den Spaziergängen und wiederum zu weniger Konflikten mit anderen Mensch-Hund-Teams.

Beschwichtigungssignale und Rassenunterschiede

Generell gilt: da Beschwichtigungssignale genetisch verankert sind, können sie alle Hunde zeigen. Trotzdem sind sie individuell zu betrachten: der eine Hunde zeigt das eine Beschwichtigungssignal häufiger, der andere Hund das andere. Je nachdem, mit welchem sie sich besser verstanden fühlen und welches eher zum gewünschten Erfolg führt. Rassen mit langem Fell, bei denen Haaraufstellen oder Blinzeln nicht gut sichtbar sind, bedienen sich auf Dauer eher Signalen in der Körperhaltung statt in der Mimik und Gestik. Hunde mit kupierter Rute können ihre Rute nicht vernünftig zur Kommunikation einsetzen. Und der Mops mit seinem faltigen Gesicht ist stark in seiner Mimik eingeschränkt und wird daher eher seinen Körper zur Kommunikation und zur Beschwichtigung einsetzen, indem er beispielweise seine Pfote hebt. Bei Hunden mit eingeschränkter Mimik und Gestik lohnt es sich daher eher auf die Körpersprache zu achten.

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