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„Problemchen“ einfach managen

Im Zusammenleben mit dem Hund kann es immer wieder einmal Dinge geben, die das harmonische Miteinander etwas beeinträchtigen. Besonders bei unerfahrenen Hundehaltern oder wenn ein junger Vierbeiner in die Familie kommt, kann das vorkommen. Schnell fühlt der eine oder andere Zweibeiner sich dann überfordert. Doch zum Glück ist nicht jedes Thema eines, das einen größeren Aufwand erfordert. So manches „Problem“ entpuppt sich bei genauerem Hinschauen allenfalls als ein „Problemchen“, das sich einfacher als gedacht handhaben lässt.

Wann wird ein Verhalten zu einem Problem?

In der Regel empfinden wir ein Verhalten des Vierbeiners dann als störend, wenn die Auswirkungen nicht kompatibel für das Zusammenleben mit ihm sind oder negative Folgen für die Umgebung oder auch für ihn selbst haben oder haben könnten.

Möchten wir „ungünstiges“ Verhalten beeinflussen, müssen wir die Ursache bearbeiten und verhindern, dass der Vierbeiner mit seinem Verhalten Erfolg hat. Denn Hunde (nicht nur sie) machen etwas in erster Linie dann gern, wenn ihnen ihr Verhalten Spaß macht oder ihnen anderweitig nutzt. Das zu vermeiden ist oft einfacher als gedacht.

Werfen wir einen Blick auf ein paar Beispiele aus der Praxis.

Der stürmische Welpe

Bei einer Familie ist der erste Vierbeiner eingezogen – ein Labradorwelpe. Der Welpe freut sich bis über beide Ohren, wenn die Familienmitglieder morgens aus den Schlafzimmern kommen. Das 5-jährige (und jüngste) Kind kommt als letztes, wenn die anderen Familienmitglieder schon am Frühstückstisch versammelt sind.  Auch das wird äußerst freudig begrüßt – für den Jungen zu freudig, da er der Kleinste ist und den Welpen somit am ehesten im Gesicht hat. Deshalb macht ihm der Welpe zunehmend Angst, wenn er morgens aus dem Kinderzimmer herunter kommt. Das ist natürlich überhaupt nicht der Sinn der Sache.

Was also tun? Das Hundekind zurück rufen? Es auf seinen Platz schicken oder beispielsweise „Sitz“ machen lassen? Das sind alles keine wirklichen Alternativen. Es ist wenig wahrscheinlich, dass der Welpe auf Ruf kommt. Vor allem müsste er in dieser Situation noch unterwegs umkehren, bevor er beim Kind ist. Ein schwieriges Timing für den Mensch und viel zu anspruchsvoll für den jungen Hund. Ihn auf seinen Platz zu schicken, ist ebenfalls nicht das Mittel der Wahl. Zum einen müsste der Welpe das schon können, zum anderen wäre der Fünfjährige trotzdem eine sehr hohe Ablenkung für den jungen Hund und der somit völlig überfordert.  Zudem müsste sich einer der Eltern darauf konzentrieren, dass der Welpe auch auf seinem Platz bleibt – Stress für alle.  Ein alternatives „Sitz“ überfordert den Welpen in einer so reizvollen Situation ebenfalls. Und auch hier muss einer der Zweibeiner sich voll auf den jungen Vierbeiner konzentrieren, damit der sitzen bleibt. Außerdem – was kommt nach dem Sitzen? Da der Welpe nur kurze Zeit sitzen bleiben kann, wird er letztlich doch zum Kind laufen.

Es geht auch einfacher. Noch bevor das Kind in Sichtweite kommt, wird der Welpe einfach an die Leine genommen. Man könnte ihm auch noch eine kleine Kaustange oder ein Kauspielzeug geben. Jetzt kann der Junge ohne Probleme zum Frühstückstisch kommen. Zwischen Welpe und Kind muss aber so viel Abstand sein, dass der eine nicht zum anderen gelangen kann. Wichtig ist außerdem noch, dass der Junge den Welpen sozusagen links liegen lässt – ihn also weder anschaut, noch anspricht. Sind erst mal etwa zehn Minuten (kann auch mehr oder weniger sein) vergangen, ist die „Begrüßungsenergie“ beim Welpen abgeklungen. Jetzt kann er ohne Kommentar einfach abgeleint werden.

Es ist natürlich zusätzlich sinnvoll, den Familienrat einzuberufen und mal zu schauen, ob der Welpe von seinen Zweibeinern grundsätzlich zu aufgeregt begrüßt und dadurch „hochgefahren“ wird. Dann sollten sich alle einen ruhigeren Umgang angewöhnen.

Der erkundungsfreudige Welpe

Immer wieder haben frischgebackene Welpenbesitzer das Problem, dass das Hundekind im Garten ausgerechnet solche Dinge äußerst interessant findet, die dem Zweibeiner Bauchschmerzen bereiten: Liebevoll gepflegte Beete, besondere Pflanzen, den Gartenteich oder, was durchaus bedenklich ist, Rindenmulch oder Bereiche mit Kies.

Im Sommer ist die Terrassentüre meist den ganzen Tag offen. So wird der Welpe auf der einen Seite zwar schnell stubenrein, kann sich andrerseits aber allein im Garten vergnügen wann immer möchte. So manches Hundekind erweist sich dabei als recht kreativ bei der Gartengestaltung. Das gibt sich meist im Laufe des Heranwachsens von selbst, doch bis dahin können es anstrengende Wochen oder Monate werden. Deshalb fragen sich viele Welpenbesitzer, wie sie das ihrem kleinen Vierbeiner abgewöhnen können. So mancher beginnt dann damit, jedes Mal, wenn er den Welpen in flagranti erwischt,  verärgert auf ihn zuzulaufen und zu schimpfen. Das jedoch zerstört das Vertrauen des Hundekinds zu seinem Mensch. Das kann so weit gehen, dass der Welpe letztlich vor seinem Zweibeiner flüchtet, sobald der in den Garten kommt und sich nur dann an Pflanzen & Co. traut, wenn der Zweibeiner nicht in Sicht ist.

Stattdessen gibt es verschiedene einfache und „neutrale“ Methoden, um eine „Gartengestaltung“ durch den Vierbeiner zu vermeiden.  Das einfachste ist, Beet, Teich oder besondere Pflanzen mittels eines einfachen Rollgartenzauns aus dem Baumarkt für eine oder zwei Saisonen einzuzäunen. So gewöhnt sich der Welpe daran, dass Beet & Co. zwar da, aber uninteressant sind.

Eine weitere, aber aufwändigere Option ist ein Absperrgitter für die Terrassentüre. So kann der Welpe auch bei offener Türe nicht allein hinaus, sondern nur mit Ihnen zusammen. Dann können Sie ihn ab- und umlenken, sobald er eine „No-go-area“ anpeilt.

Doch manche Bereiche oder gefährliche Flächen mit Kies oder Rindenmulch sind zu groß, um sie einzuzäunen. Aber auch dafür gibt es eine Lösung – die Abzäunung der Terrasse und eines Teils des Rasens drumherum. Dann kann der Welpe ohne Gefahr für sich und den Garten hinaus.

All diese Möglichkeiten vermeiden zusätzlich zur Lösung der Probleme unnötigen Stress für Zwei- und Vierbeiner. Das tut allen gut.

Die Enten im Bach

Eine Hundebesitzerin beklagte sich, dass Ihr Vierbeiner auf dem Spaziergang an einer Stelle immer in den Bach läuft, dort die Enten jagt und erst irgendwann auf ihren Rückruf hört. Mancher Leser fragt sich jetzt vielleicht, was denn daran ein Problem wäre. Der Hund erwischt ja eh keine Ente. Enten scheuchen ist jagen. Lässt man den Vierbeiner diesem Spaß frönen, verstärkt sich das Jagen und kann sich zu einem echten Problem auswachsen. Denn für den Vierbeiner ist es ein Kick, egal ob er etwas erwischt oder nicht. Für die Enten ist es zudem nicht lustig und flugunfähige Junge kann der Hund leicht erwischen. „Wehret den Anfängen“ ist hier also die Devise!

Die Lösung ist einfach – der Hund wird jedes Mal rechtzeitig, also deutlich vor der Stelle mit den Enten, gerufen und angeleint. Dafür bekommt er eine ordentliche Belohnung. Je nachdem, wie ausgeprägt der Drang zu den Enten ist, reicht es, einfach vorbei zu gehen oder dem Vierbeiner mittels Happen oder Lieblingsspielzeug das Vorbeigehen zu versüßen. Ist man so weit weg, dass der Hund nicht mehr umkehrt und zurück läuft, gibt es vor dem Ableinen nochmal einen Happen oder etwa anderes Tolles, zum Beispiel ein Zerrspiel mit dem Lieblingsspielzeug. Wer mehr investieren möchte und einen Hund mit entsprechenden Vorkenntnissen hat, kann im Entenbereich mit dem Vierbeiner etwas üben – sicherheitshalber aber nur an der Leine. Etwa ruhig sitzen und die Enten lediglich beobachten oder bei-Fuß-Gehen. Natürlich mit reizvoller Belohnung. So lohnt es sich für den Hund, die Enten in Ruhe zu lassen.

Fazit

Eine Familie hat einen ängstlichen Hund, der sich von klein an angewöhnte, am Gartenzaun vorsichtshalber alles anzukläffen, was vorbei geht. Das nervte die Besitzer und vermutlich auch die Nachbarn. Die Terrasse liegt auf der Rückseite des Doppelhauses entgegengesetzt zur Haustüre. Der Gartenstreifen entlang der Hauswand zwischen Vorder- und Rückseite des Hauses ist relativ schmal. Somit wäre es sehr einfach gewesen, zwischen Hauswand und seitlichem Gartenzaun einen einfachen Rollzaun etliche Meter weg von der Grundstücksgrenze am öffentlichen Weg zu installieren. Dann wäre der Hund gar nicht bis dahin gelangt und hätte sich nicht dauernd von Passanten und fremden Hunden „bedroht“ gefühlt. Aber selbst diese einfache Maßnahme war der Familie zu aufwändig. So schießt der Hund, sofern er im Garten ist, seit drei Jahren jedes Mal ausdauernd kläffend an den Zaun, wenn er Zwei- oder Vierbeiner wahrnimmt und hat ordentlich Stress dabei.

Sie sehen also, es ist zwar oft nur ein geringer Aufwand erforderlich, um ein unerwünschtes Verhalten zu beeinflussen. Aber – von nichts kommt nichts. Auch eine einfache Maßnahme muss umgesetzt, sowie entsprechend konsequent und lange genug durchgehalten werden.

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