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Schritt für Schritt- Das richtige Tempo in der Erziehung

Dem Vierbeiner etwas beizubringen ist nicht nur für ein stressfreies Zusammenleben notwendig, sondern macht auch Spaß und ist Gehirnjogging für den Hund. Doch nicht selten ist der Zweibeiner frustriert, weil der Hund nicht macht was er soll. Sehr oft ist das deshalb so, weil der Vierbeiner mangels richtiger „Aufbereitung“ des Trainings gar nicht verstehen und lernen konnte, was sein Mensch möchte. Nicht, weil er die Ohren auf Durchzug stellt.

 

Ein Beispiel

Mit Hilfe von Futterhappen geht ein 5 Monate alter Junghund an der linken Seite seiner Besitzerin schon ganz gut bei Fuß und setzt sich dort auch. Dann steht in der Hundeschule eine neue Übung auf dem Programm – der Vierbeiner soll nun lernen, sich auch an die andere Seite seiner Besitzerin setzen und dazu auf ein Kommando von links nach rechts wechseln. Geübt wird das, indem der Hund an der Leine von der einen auf die andere Seite gezogen wird. Doch der Erfolg stellt sich nicht ein und die Besitzerin hat das Gefühl, dass etwas suboptimal läuft.  Ihr Gefühl täuscht sie nicht, denn hier fehlt der Aufbau.

Wie könnte man die Übung gestalten, damit der Hund sich leicht tut, sie zu verstehen?

Zunächst sollte zumindest das Sitzen auf der linken Seite soweit gefestigt sein, dass der Vierbeiner, wenn er dicht vor Ihnen ist und „Fuß“ hört, sich ohne Happen in der Hand an Ihre Seite setzt. So weiß man, dass er es kann. Erst jetzt kommt der nächste Schritt. Nun wird das Sitzen auf der rechten Seite genauso trainiert, wie der Hund die linke Seite gelernt hat – jedoch mit einem anderen Hörzeichen, z.B. „Rechts“. Erst wenn er sich nach einiger Zeit wie oben ohne die Hilfe von Futterhappen auf „Rechts“ auch an Ihre rechte Seite setzt, hat er beide Positionen gelernt und kann sie unterscheiden. Nun erst kommt der letzte Schritt – der Vierbeiner sitzt an einer Seite und wechselt auf das Hörzeichen für die andere Seite dorthin.

 

Kleine Schritte

Dieses Beispiel zeigt, dass der Vierbeiner eine Übung nur dann wirklich lernen kann, wenn sie in kleine Bestandteile zerlegt wird. Immer erst wenn die erste Stufe zuverlässig klappt, wird der nächste Schritt gemacht. Das macht das Training sowohl für den Hund, als auch für den Mensch wesentlich angenehmer. Der Vierbeiner kann so stressfrei jede Stufe verinnerlichen. Frust und Überforderung bleiben außen vor und es kommt dadurch gar nicht erst soweit, dass der Hund etwas anders macht als gewollt. Wie lange es dauert, bis man von einer Stufe zu nächsten gehen kann, ist unterschiedlich. So wird es beispielsweise einem phlegmatischen Hund oder einem, der sich nicht leicht ablenken lässt leichter fallen, länger ruhig liegen oder sitzen zu bleiben. Ein temperamentvolles Energiebündel oder ein Vierbeiner, der sich sehr für seine Umgebung interessiert, braucht dagegen länger.

Sehen wir uns ein paar Alltagsübungen an, die „anfällig“ für einen mangelnden Aufbau sind und zerlegen sie in ihre Bestandteile.

Warten in der Diele

Nehmen wir an, Sie möchten, dass Ihr Hund in der Diele sitzen bleibt, wenn es klingelt und Sie in Ruhe die Türe öffnen können. Was muss der Vierbeiner dabei letztlich können?  Er muss unter hoher Ablenkung längere Zeit ohne Sie an einer Stelle sitzen bleiben. Noch dazu sind Sie dabei auch noch bei der Ablenkung. Das ist ziemlich anspruchsvoll!  Doch viele kleine Schritte führen zum Ziel: Zuerst muss der Hund das „Sitz“ können. Als nächstes lernt er, bis zu ein paar Minuten ohne Ablenkung neben Ihnen zu sitzen, dann mit langsam steigender Ablenkung. Der nächste Schritt ist dann, dass er auf Ihr „Bleib“ – ohne Ablenkung – sitzen bleibt und Sie sich vor ihn stellen – zuerst dicht vor ihn und nur kurz, dann wird die Zeit ausgedehnt. Dann gehen Sie nach und nach weiter weg von ihm, aber immer verlängern Sie zuerst die Zeit. Als nächstes gehen Sie parallel zu ihm vor ihm hin und her, allmählich wird daraus ein Halbkreis, dann ein Kreis.  Immer kommen Sie zu ihm zurück und loben ihn. Der nächste Schritt wäre, in der Nähe von Ablenkung zu üben. Dann folgt, dass Sie sich, während Sie vom Hund weg sind, mit jemandem unterhalten oder jemand begrüßen. Erst jetzt ist der Vierbeiner fit dafür, im Flur sitzen zu bleiben, während Sie die Haustüre öffnen.

 

In ähnlichen kleinen „Happen“ lernt der Hund, auf seinem Platz liegen zu bleiben. Häufig wird aber so trainiert, dass schon auf der „Endstufe“ begonnen wird. Dann macht der Hund die Übung natürlich falsch, steht auf und wird jedes Mal wieder an die ursprüngliche Stelle zurück gebracht, bis er dort bleibt. Aber das ist dem Vierbeiner gegenüber eigentlich unfair. Denn so wird er korrigiert, ohne dass er verstehen und lernen konnte, was er eigentlich soll.

 

Kommen auf Ruf

Auch hier braucht es viele Einzelschritte, bis man erwarten kann, dass der Vierbeiner auf Ruf oder Pfiff sofort umkehrt und schnellstmöglich kommt – vor allem auch dann, wenn er bereits etwas Interessantes entdeckt hat.

Schritt eins ist, dass er erst mal Ihr „Hier“ (oder was Sie dafür verwenden) mit dem Kommen verknüpft. Das wird zunächst nur im Haus und ohne Ablenkung geübt. Am besten so, dass den Hund einer festhält, der andere ruft ihn aus zwei, drei Metern Entfernung. Die nächste Stufe ist die, ihn ohne Festhalten innerhalb der Wohnung und ohne jegliche Ablenkung zu rufen. Erst wenn das immer klappt, geht es hinaus. Aber auch jetzt wird der Vierbeiner nur gerufen, wenn er nur wenige Meter entfernt und nicht abgelenkt ist. Erst wenn das klappt, wird er – noch immer ohne dass ihn etwas ablenkt – aus größerer Entfernung gerufen. Nun erst wird er gerufen, wenn eine Ablenkung weiter weg zu sehen ist. Dann, wenn die Ablenkung näher ist usw.

 

Doch in der Realität wird er Hund häufig ohne jegliche Vorübungen gerufen. Gern dann, wenn er mit einem Artgenossen tobt oder etwa Fremde anspringt. Kommt er nicht, ist er „ungehorsam“ oder „dominant“. Doch woher soll er es können? Es kann nicht funktionieren, denn von Nichts kommt nichts.

 

Training überdenken

Vielleicht gibt es auch bei Ihrem Vierbeiner etwas, was einfach nicht klappen will? Überlegen Sie, ob Sie beim Üben einen oder mehrere Zwischenschritte übersprungen haben. Am besten überdenken Sie die Übung mal genau und schreiben sich auf, in welche kleine „Häppchen“ sich das, was Sie Ihrem Hund beibringen möchten, zerlegen lässt.  So können Sie gut erkennen, welche Lücken es womöglich gibt. Bauen Sie die Übung dann nochmal neu auf. Jetzt wird Ihr Hund sie verstehen können!

 

 

 

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