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Zecken! Zecken? – Alternative Prophylaxe Teil II

Die natürliche Anti-Parasiten-Keule

Der Frühling bringt viele angenehme Seiten – und viele Parasiten. Vor allem Flöhe und Zecken belasten Hunde und ihre Halter. Wobei ich häufig das Gefühl habe, dass die Angst davor nicht weniger schlimm ist, als der Befall an sich.

Geschürt wird das Unbehagen seit Erfindung von speziellen Parasitenschutzprodukten. Gegen Protektion ist ja an sich nichts einzuwenden, solange die Risiko-Nutzen-Bilanz stimmt. Die sinnvolleren Mittel haben eine repellente Wirkung, wehren also Flöhe und Zecken schon vor dem Stich ab. Problematisch ist, dass Präparate aus Nervengiften bestehen. Immerhin bleiben bei Verwendung in Form von Spot on oder Halsband die Gifte überwiegend in der Körperoberfläche, also da wo der Parasit sticht.

Risikoreicher sind die modernen Floh- und Zeckenschutzpräparate in Tablettenform. Denn hier müssen die Wirkstoffe komplett verstoffwechselt werden, bevor sie in der Haut dem Schädling Paroli bieten können. Eine repellente Wirkung fehlt total, weswegen der Parasit Erkrankungen (die häufigste Zecke in Deutschland ist der Gemeine Holzbock, möglicher Vektor von Borreliose, Anaplasmose und FSME) übertragen kann, bevor ihn das Gift eliminiert.

 

Und jetzt die gute Nachricht: Es gibt Alternativen. Bevor ich die nenne, muss ich aber einen anderen Tipp loswerden.

Häufig wird Tierhaltern geraten, den Hund ganzjährig vor Floh- oder Zeckenangriffen zu schützen – oder wenigstens über die warme Jahreszeit. Nun gibt es aber viele Hunde, die selten oder nie ein Parasitenproblem haben. Meine drei zum Beispiel. Ob das an der Gegend liegt? Sie laufen durch die Natur, auch durch hohes Gras, wo Zecken am liebsten auf Opfer warten. Kaum anzunehmen, dass unsere ganze Gegend frei von Holzböcken ist. Oder stimmt ihre Ernährung, so dass das Immunsystem Lästlinge abwehrt, der Körpergeruch nicht lecker für Stechinsekten ist? Ich weiß es nicht, bin aber sehr froh, dass es so ist – und verzichte selbstverständlich auf chemischen Parasitenschutz.

Um herauszufinden, ob der Hund ein Parasitenmagnet ist, muss man es zunächst drauf ankommen lassen. Sammelt er nur sporadisch mal eine Zecke ein, die man nach dem Spaziergang leicht absammeln kann (sie braucht mehrere Stunden, bis sie sich festgebissen hat), mag man vielleicht auf die chemische Keule verzichten. In Gegenden mit hohem Parasitendruck sind leider besonders langhaarige, dunkle Hunde nur schwer zu schützen.

 

Hier lohnt der Versuch, mit Mitteln aus der Natur die Lästlinge fernzuhalten.

Zecken und Flöhe werden angelockt durch aus der Bewegung resultierende Vibrationen, die Körperwärme und den Geruch des Wirtstieres. Die beiden ersten Faktoren können wir nicht beeinflussen. Am Körpergeruch aber können wir arbeiten. Bei vielen Hunden lohnt eine Umstellung der Ernährung. Ein Hund, der als Hauptnahrung billiges Trockenfutter bekommt, riecht viel strenger, als ein gesund ernährtes Tier. Der Grund: Er muss ständig über die Haut entgiften, was er an Zusatzstoffen mit dem Futter aufnimmt und was Leber und Niere nicht schaffen. Nahrung ist Medizin, und gesunde Nahrung hält ein Tier fit und frei von Endo- (inneren) und Ekto- (äußeren) Parasiten.

Zusätzlich kann man die Stechtiere mit Duftstoffen fernhalten. Es fertig zu kaufende, natürliche Repellentien auf der Basis von Neemöl oder Margosaextrakt. Man kann auch den Hund mit Kokosöl einreiben: wenige Tropfen in der Handfläche verreiben und damit das Felltier ausgiebig streicheln. Wichtig ist ein hoher Gehalt an Laurinsäure, es muss also unbedingt natives Öl sein. Das soll Zecken bis zu sechs Stunden fernhalten, hat aber auf Insekten (also auch Flöhe) anziehende Wirkung. Der Geruch von wenigen Tropfen Schwarzkümmelöl, einem Spot on ähnlich auf dem Hund verteilt, hält beide Parasiten ab. Diese ätherischen Öle und Geraniol sind in vielen Fertigprodukten zur Parasitenabwehr enthalten (z.B. von cd vet, Anibio, Beaphar). Es gibt sie als Spot on, Spray oder Halsband. Bei Allergikern ist grundsätzlich auf mögliche Reaktionen zu achten.

Weitere Mittel, deren Geruch für Insekten (wie Flöhe) und Spinnentiere (wie Zecken) unangenehm ist, hat man vielleicht sogar im Haushalt vorrätig: Lavendel, Rosmarin, Gewürznelke, Citronella oder Zedern. Und hier kommt ein einfaches Rezept: Von einigen dieser Pflanzen legt man Teile in Apfelessig ein und lässt die Mischung zwei bis drei Wochen an einem hellen Platz stehen. Nach dem Abseihen verdoppelt man die Menge mit Wasser und füllt das fertige Produkt in eine Sprühflasche. Damit benetzt man den Hund morgens vor dem ersten Spaziergang. Natürlich achtet man drauf, dass nichts in Augen und Nase gerät.

Vielen Hunden reicht dieses „Parfum“ als Parasitenschutzmaßnahme völlig aus. Bei manchen muss man mit verschiedenen Ingredienzien experimentieren, bis man die effektive Mixtur für das Tier gefunden hat. So wie bei uns Menschen Parfums oder Deodorants in Verbindung mit unserem Eigengeruch unterschiedliche Ergebnisse produzieren, scheint es auch bei Kräuterduftmischungen auf Hunden zu funktionieren. Wir sind eben alle Individualisten.

Viele weitere Tipps (auch zu Impfungen und Endoparasiten) finden Sie in meinem Buch „Tierisches Risiko – Parasiten und Prophylaxe beim Hund“.

 

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