{"id":11350,"date":"2019-11-14T08:45:54","date_gmt":"2019-11-14T07:45:54","guid":{"rendered":"https:\/\/flexi.de\/de\/?p=11350"},"modified":"2019-10-21T12:31:13","modified_gmt":"2019-10-21T10:31:13","slug":"wie-aehnlich-sind-sich-hund-und-halter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/flexi.de\/de\/wie-aehnlich-sind-sich-hund-und-halter\/","title":{"rendered":"Wie \u00e4hnlich sind sich Hund und Halter?"},"content":{"rendered":"<p>Dass Hund und Herrchen sich \u00e4hnlich sehen, ist eine oft get\u00e4tigte Annahme. Und tats\u00e4chlich zeigen Studien, dass sich viele Menschen einen Hund aussuchen, der ihnen \u00e4u\u00dferlich \u00e4hnelt. So haben Christina Payne und Klaus Jaffe 48 Rassehunde und ihre Besitzer fotografiert. Diese Bilder wurden dann durchmischt und Versuchspersonen vorgelegt, die sie nach den richtige Hund-Halter-Paaren sortieren sollten. In der Tat waren die Testpersonen in der Lage, \u00fcberzuf\u00e4llig oft die richtigen Mensch-Hund-Paare rauszusuchen. Die Ergebnisse dieser venezolanischen Studie konnten auch in weiteren Untersuchungen aus den USA und in Japan best\u00e4tigt werden. Diese \u00e4u\u00dferliche \u00c4hnlichkeit konnte aber nur mit Fotos von Rassehunden gefunden werden. Wenn man den Testpersonen Bilder von Mischlingen und ihren Besitzern zeigt, klappt die richtige Zuordnung nicht mehr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>\u00c4hnlichkeit \u2013 nicht nur im Aussehen<\/h3>\n<p>Vergleichbare Mechanismen passieren auch, bei der Suche nach menschlichen Sozialpartnern. Dabei orientieren wir uns aber nicht nur an der physischen Anziehungskraft, sondern auch an psychologischen Merkmalen. Dabei scheint auch die \u00c4hnlichkeit in der Pers\u00f6nlichkeit eine Rolle zu spielen: sie sorgt f\u00fcr h\u00f6here Zufriedenheit in der Beziehung (Karney &amp; Bradbury, 1995). Da Hunde f\u00fcr gew\u00f6hnlich als enge Begleiter, Freunde oder Familienmitglieder betrachtet werden, k\u00f6nnten bei der Auswahl des Vierbeiners die gleichen kulturellen und psychologischen Faktoren einen Einfluss haben. M\u00f6glicherweise w\u00e4hlen Menschen einen bestimmten Hund oder eine bestimmte Rasse, weil sie verschiedene Verhaltensaspekte besonders ansprechend finden und\/oder \u00c4hnlichkeiten zu sich selbst entdecken. Dabei hat nat\u00fcrlich jeder Mensch seine eigenen Pr\u00e4ferenzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gibt mehrere m\u00f6gliche Gr\u00fcnde f\u00fcr den Einfluss der Besitzerpers\u00f6nlichkeit auf die Pers\u00f6nlichkeit des Hundes. Zum einen k\u00f6nnte es aufgrund der engen sozialen Beziehung zu einer Wahrnehmungsverzerrung des Besitzers kommen. Das bedeutet, dass der Halter dem Vierbeiner Verhaltensmerkmale zuschreibt, die ihm selbst \u00e4hneln, ohne dass der Hund diese Merkmale tats\u00e4chlich zeigt. Diese Vermutung ist allerdings unwahrscheinlich, da die Beurteilungen der Eigen- und Fremdeinsch\u00e4tzung in den verwendeten Pers\u00f6nlichkeitsfrageb\u00f6gen \u00e4hnlich sind (Turcsan et al. 2012).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein weiterer Grund k\u00f6nnte sein, dass die gemeinsamen Aktivit\u00e4ten mit dem Besitzer die Pers\u00f6nlichkeit des Hundes beeinflussen \u2013 vor allem, wenn der Hund schon von Welpenbeinen an mit ihm zusammenwohnt. So ist es wahrscheinlich, dass der Hunde eines eher extrovertierten Besitzers \u00f6fter zu sozialen Ereignissen mitgenommen und somit auch eher mit fremden Menschen und Artgenossen sozialisiert wird. Andersherum k\u00f6nnte es nat\u00fcrlich auch einen umgekehrten Zusammenhang geben: Die Pers\u00f6nlichkeit des Hundes beeinflusst den Besitzer. So ist es zum Beispiel denkbar, dass ein aktiver, energiegeladener Hund seine zweibeinigen Begleiter zu mehr Aktivit\u00e4t anregt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Des Weiteren w\u00e4re es m\u00f6glich, dass sich die Charakteristika von Hund und Halter \u00fcber die Zeit angleichen. Demnach sollten Hunde, die l\u00e4nger mit ihren Besitzern zusammenleben mehr \u00c4hnlichkeit aufweisen, als Hunde, die k\u00fcrzere Zeit bei ihrem Besitzer leben. Die Studienlage zeigt allerdings, dass dies nicht der Fall ist, denn die L\u00e4nge des Zusammenlebens ist nicht entscheidend f\u00fcr die \u00c4hnlichkeiten in den Pers\u00f6nlichkeitsstrukturen zwischen Hund und Halter. Es ist also nicht so, dass sich Hund und Besitzer \u00fcber die Zeit \u00e4hnlicher werden. Allerdings weisen Einzelhunde in ihrer Pers\u00f6nlichkeitsstruktur eine h\u00f6here \u00c4hnlichkeit zu ihrem Besitzer auf, als Hunde, die mit anderen Artgenossen in einem Haushalt leben (Turcsa\u0301n et al., 2012).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine vierte M\u00f6glichkeit w\u00e4re, dass sich der Besitzer von Beginn an einen vierbeinigen Begleiter aussucht, der zu seiner Pers\u00f6nlichkeit und seinem Lebensstil passt. So wie wir Menschen es eben auch mit unseren Partnern und Freunden tun.<\/p>\n<p>Diese Auswahl k\u00f6nnte sowohl auf individueller als auch auf Rasseebene stattfinden. Dabei finden nat\u00fcrlich unterschiedliche Personen verschiedene Charaktermerkmale attraktiv. Zum Beispiel suchen Besitzer, die einen Hund als engen Sozialpartner wahrnehmen eher nach einem Vierbeiner, der sehr viel Zuneigung spendet. Im Gegensatz dazu wird eine Person, die sehr auf ihre Eigenst\u00e4ndigkeit bedacht ist, einen eher unabh\u00e4ngigen Begleiter w\u00e4hlen. Auch wird eine sehr sportliche Person nach einem Hund Ausschau halten, der in den aktiven Alltag passt, w\u00e4hrend eine ruhige Person voraussichtlich einen entspannten Hund ausw\u00e4hlt. Demzufolge k\u00f6nnte die Wahl der Rasse beziehungsweise des individuellen Hundes bewusst oder unbewusst die Pers\u00f6nlichkeit des Besitzers widerspiegeln.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich finden unterschiedliche Untersuchungen \u00dcbereinstimmungen in den Pers\u00f6nlichkeitsstrukturen zwischen Mensch und Hund. Zum Beispiel sch\u00e4tzen Halter, die emotional instabil sind, ihre Hunde als nerv\u00f6ser und unsicherer ein, w\u00e4hrend extrovertierte Menschen ihren Vierbeiner eher als energetisch, enthusiastisch und sozial offen beschreiben (Turcs\u00e1n et al., 2012). Umg\u00e4nglichere Personen sch\u00e4tzen ihren Hund als weniger aggressiv ein und pflichtbewusste Menschen nehmen ihren Begleiter als besser trainierbar wahr (Chopik et al. 2019). Halter von Hunden mit Angstproblematiken (z.B. Angstaggression oder Trennungsangst) beschreiben sich selbst h\u00e4ufig als weniger selbstbewusst (Dodman 2003) und Personen mit einem aggressiven Vierbeiner neigen nach eigener Aussage selbst dazu stark angespannt zu sein (Podberscek &amp; Serpell 1997). Au\u00dferdem tendieren Menschen mit niedrigen Werten in der Pers\u00f6nlichkeitskategorie \u201eVertr\u00e4glichkeit\u201c eher dazu, Rassen zu w\u00e4hlen, die als aggressiv wahrgenommen werden (Egan &amp; MacKenzie 2012). Einen \u00e4hnlichen Zusammenhang findet auch eine weitere Studie: Besitzer von Hunderassen, die h\u00e4ufiger Verletzungen verursachen (in dieser Erhebung waren das Akitas, Doberm\u00e4nner, Rottweiler, Chow Chows, Pitbulls und Wolfsmixe), zeigen h\u00e4ufiger antisoziales Verhalten und sind risikofreudiger als Personen in Vergleichsgruppen (Ragatz et al. 2009).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Vorsicht bei der Interpretation der Daten!<\/h3>\n<p>Allerdings muss man wie immer bei solchen Studienergebnissen Vorsicht bei der Interpretation der Daten walten lassen. Man kann aus den gefundenen Korrelationen nicht zwingend auch kausale Verbindungen ableiten. Das bedeutet, dass aus diesen Zusammenh\u00e4ngen nicht ersichtlich ist, was nun eigentlich die Ursache und was die Konsequenz ist. Also m\u00f6glicherweise ist es zum Beispiel nicht so, dass Hunde aggressiver werden, weil ihre Menschen angespannt sind, sondern dass die Halter zunehmend anspannen, weil ihr Hund regelm\u00e4\u00dfig aggressives Verhalten zeigt. Auch muss man betonen, dass die Einsch\u00e4tzungen dieser Verhaltensweisen ausschlie\u00dflich auf Aussagen der Besitzer beruhen. Das kann die Ergebnisse zu einem gewissen Grad beeinflussen. Allerdings scheinen Besitzer im Allgemeinen die Pers\u00f6nlichkeit ihres Hundes recht gut einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, da deren Beurteilung in den meisten F\u00e4llen auch mit der Beurteilung von anderen Personen \u00fcbereinstimmt. Es ist also nicht so, dass der Besitzer diese Verhaltensweisen lediglich auf den Hund projiziert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So oder so l\u00e4sst sich festhalten, dass an dem Spruch \u201eWie der Herr, so\u2019s G\u2019scherr\u201c durchaus etwas dran ist \u2013 und dass sowohl in Bezug auf das Aussehen als auch bez\u00fcglich der Pers\u00f6nlichkeitsstruktur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass Hund und Herrchen sich \u00e4hnlich sehen, ist eine oft get\u00e4tigte Annahme. 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