{"id":11882,"date":"2019-10-25T08:30:09","date_gmt":"2019-10-25T06:30:09","guid":{"rendered":"https:\/\/flexi.de\/de\/?p=11882"},"modified":"2019-10-14T10:31:49","modified_gmt":"2019-10-14T08:31:49","slug":"wie-sie-tierschutzhunden-sicherheit-vermitteln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/flexi.de\/de\/wie-sie-tierschutzhunden-sicherheit-vermitteln\/","title":{"rendered":"Wie Sie Tierschutzhunden Sicherheit vermitteln"},"content":{"rendered":"<p>Egal, woher sie kommen: aus Rum\u00e4nien, Griechenland oder Portugal &#8211; sie brauchen unsere Hilfe. Tierschutzhunde kommen mittlerweile aus allen L\u00e4ndern Europas nach Deutschland und suchen hier nach einem sicheren Zuhause und einer liebevollen und f\u00fcrsorglichen Familie. F\u00fcr viele Hundehalter sind die Geschichten hinter Hunden aus dem Tierschutz herzzerrei\u00dfend und wecken unseren Besch\u00fctzerinstinkt und das Bed\u00fcrfnis, etwas Gutes in der Welt bewegen und helfen zu wollen. Doch oftmals lauern hier einige Schwierigkeiten bei der Integration und Haltung dieser Hunde in unseren Alltag. Wir geben Ihnen in diesem Beitrag einige Tipps mit an die Hand und erkl\u00e4ren Ihnen, wie Sie Ihren Liebling unterst\u00fctzen und mehr Sicherheit im Alltag vermitteln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Warum ben\u00f6tigen Hunde aus dem Tierschutz mehr Sicherheit und Unterst\u00fctzung im Alltag?<\/strong><\/p>\n<p>Oftmals haben Hunde, die aus schlechter Haltung kommen oder auf der Stra\u00dfe gelebt haben, kein Vertrauen in den Menschen, beziehungsweise das Vertrauen zu ihm durch schlechte Behandlung, Vernachl\u00e4ssigung oder das Hinzuf\u00fcgen von Schmerzen und Qu\u00e4lereien verloren. Um sich nach der Adoption in seinem neuen Alltag zurechtzufinden, ben\u00f6tigen Hunde jedoch das Vertrauen zu uns Menschen. Gerade weil es Hunde aus dem Tierschutz schwerer haben, sich in neuen Umgebungen zurechtzufinden, ist eine sichere und stabile Mensch-Hund-Bindung sowie ein souver\u00e4ner Bindungspartner Voraussetzung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Deprivationssch\u00e4den durch Erfahrungsentzug<\/strong><\/p>\n<p>Jeder Hund befindet sich im Welpenalter zwischen der vierten und 20. Lebenswoche in der sogenannten sozial sensiblen Phase, in der er alle aufgenommenen Reize und Erfahrungen besonders tief f\u00fcr sein zuk\u00fcnftiges Leben verankert. W\u00e4hrend dieser Zeit bilden sich normalerweise neue Nervenzellen, die sich miteinander vernetzen. Durch fehlende Erfahrungen in dieser Zeit, wie das Kennenlernen von anderen Menschen, Hunden, Ger\u00e4uschen, Materialien und Umgebungen, k\u00f6nnen keine neuen Nervenverbindungen entstehen, da die entsprechenden Impulse nicht an das Gehirn gesendet werden. Die Gehirnstruktur dieser Tiere zeigt also Defizite auf, die es dem Hund in seinem weiteren Leben erschweren, sich in einer komplexen Umgebung zurecht zu finden und flexibel auf ver\u00e4nderte Bedingungen zu reagieren oder sich selbstst\u00e4ndig mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen. Dies f\u00fchrt h\u00e4ufig zu unsicherem Verhalten bis hin zu chronischen Angstzust\u00e4nden und zu einem Gef\u00fchl von Dauerstress. Auf der Suche nach einem Ventil, um diese angestaute Anspannung loszuwerden, lernen Hunde dann schnell, Bellen und zum Teil auch Aggressionen einzusetzen, um andere Menschen und Hunde sowie unbekannte Situationen auf Distanz zu halten und sich diesen zu entziehen, was durch den Selbstschutzmechanismus des Hundes\u00a0zu seiner Strategie werden kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Stresslevel des Hundes durch Entspannungstraining senken<\/strong><\/p>\n<p>Da die meisten Tierschutzhunde in der Regel zumindest leichte Deprivationssch\u00e4den davontragen, ist es f\u00fcr Sie als Halter also wichtig zu wissen, wie Sie Ihrem Hund die n\u00f6tige Sicherheit vermitteln k\u00f6nnen, die er so dringend von Ihnen ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im ersten Schritt ist es ratsam, das Stresslevel des Hundes herunterzufahren, da Hunde mit Deprivationssch\u00e4den h\u00e4ufig ein hohes Erregungslevel haben, dauerhaft nerv\u00f6s und angespannt sind und sich oftmals nicht selbst wieder herunterfahren k\u00f6nnen. Hier k\u00f6nnen Sie als Halter wunderbar unterst\u00fctzen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die grundlegendste Ma\u00dfnahme sollte es sein, einen sicheren R\u00fcckzugsort zu schaffen, an den sich Ihr Hund zu jeder Zeit zur\u00fcckziehen kann, an dem er ungest\u00f6rt ist und weder angesprochen, noch angesehen oder angefasst wird. Viele Hunde haben bis zu diesem Zeitpunkt nie einen sicheren R\u00fcckzugsort erlebt. Ihr Hund soll daher lernen, dass dieser Platz ein Ort ist, an dem er sich vollkommen sicher f\u00fchlen darf. Viele Hunde bevorzugen h\u00f6hlenartige R\u00fcckzugsorte wie Boxen oder Iglus, da sie mehr Schutz und eine geringere \u201cAngriffsfl\u00e4che\u201d bieten. Einige Hunde verkriechen sich auch gerne unter dem Tisch. Der sichere R\u00fcckzugsort sollte am Besten in einer ruhigen Ecke in der Wohnung einger\u00e4umt werden und nicht an Fenster, T\u00fcren oder Eingangsbereichen, an denen Ihr Hund mit weiteren Reizen, wie vorbeigehenden Fu\u00dfg\u00e4ngern oder L\u00e4rm im Treppenhaus, konfrontiert wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um das dauerhafte Stresslevel Ihres Hundes zu senken, hilft au\u00dferdem ein gutes Entspannungstraining. Je entspannter Ihr Hund ist, desto weniger gestresst reagiert er auf Reize und desto weniger wird er nach einem Ventil suchen m\u00fcssen, seiner Anspannung Luft zu verschaffen. Wenn sich Ihr Hund gerne anfassen mag, k\u00f6nnen Sie gerne mit Massagen arbeiten. Dabei streichen Sie einfach sanft mit Ihrer Handfl\u00e4che \u00fcber den R\u00fccken Ihres Hundes, nehmen dabei vorsichtig seine Haut zwischen Daumen und Zeigefinger und massieren langsam die Wirbels\u00e4ule herunter bis hin zum Stei\u00dfbein. Hier befinden sich viele Nervenenden, die durch das Massieren h\u00e4ufig in einem entspannten Seufzen und Ausatmen des Hundes enden. Wichtig ist bei der Massage zu ber\u00fccksichtigen, dass Sie sich selbst in einem entspannten Zustand befinden sollten.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen auch Aroma\u00f6le, wie Lavendel, unterst\u00fctzend eingesetzt werden, um sich selbst und den Hund zu entspannen. Dabei werden ein paar Tropfen des \u00d6ls in einen Aromadiffuser oder auf ein Stofftuch getr\u00e4ufelt. Wird der Duft immer in Verbindung mit einer entspannenden Massage angeboten, so wird der Duft irgendwann zu einem ank\u00fcndigen Reiz f\u00fcr das Gef\u00fchl von Entspannung und kann vielf\u00e4ltig auch f\u00fcr andere Situationen im Alltag unterst\u00fctzend eingesetzt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In akuten Situationen, wie beim Autofahren, dem Alleinbleiben oder anstehenden, anstrengenden Ereignissen, empfiehlt sich der Einsatz von Rescue Tropfen &#8211; eine besondere Bachbl\u00fcten-Mischung. Vor dem entsprechenden Ereignis werden dem Hund einige Tropfen \u00fcber unseren Handr\u00fccken oder direkt \u00fcber seine Nase verabreicht. Auch die Rescue Tropfen tragen zur Beruhigung und Entspannung bei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Feste Strukturen und Rituale in den Alltag etablieren<\/strong><\/p>\n<p>Da Hunde mit Erfahrungsentzug oftmals Schwierigkeiten dabeihaben, einmal Gelerntes auf neue Situationen zu \u00fcbertragen, finden Sie sich schwieriger in einem st\u00e4ndig wechselnden Alltag zurecht. Hier k\u00f6nnen Sie Ihren Hund nachhaltig unterst\u00fctzen, indem Sie feste Strukturen und Rituale in Ihren Alltag integrieren. Ihr Hund wei\u00df so, was ihn erwartet und kommt weniger h\u00e4ufig in ein Gef\u00fchl von Hilflosigkeit und Stress, was wiederum sein Stress- und Erregungslevel senkt. In erster Linie hilft hier ein fester Tagesablauf, insbesondere feste Gassirunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besonders Spazierg\u00e4nge werden h\u00e4ufig zur Herausforderung, da wir als Halter kaum Einfluss auf entgegenkommende Reize und Mensch-Hund-Teams haben. Nehmen Sie sich hier die Zeit und entdecken Sie gemeinsam mit Ihrem Hund seine Umwelt. Schauen Sie sich ein Blatt an, lauschen Sie den umliegenden Ger\u00e4uschen. Zeigen Sie Ihrem Hund, dass auch Sie diese Reize wahrnehmen und er nicht mit Ihnen alleine ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei entgegenkommenden Mensch-Hund-Teams auf dem Spaziergang zeigen Sie bitte keinen falschen Ehrgeiz und holen Sie Ihren Hund unbedingt aus der Situation, sollte er sich unwohl f\u00fchlen oder Angst haben. Ist der Hund gestresst, werden Stresshormone wie Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin ausgesch\u00fcttet, die das Lernen im Gehirn des Hundes blockieren. Der Hund ist dadurch w\u00e4hrend der Hundebegegnung ohnehin nicht ansprechbar. Sie vermitteln Ihrem Hund mehr Sicherheit und Vertrauen, wenn Sie sich zun\u00e4chst von diesem Reiz entfernen. Ist der Zustand des Hundes auf Dauer entspannter, kann hier wieder mit Training angesetzt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zudem ist es f\u00fcr Ihre Mensch-Hund-Bindung sehr ratsam, f\u00fcr Erfolge zu sorgen. S\u00e4mtliche Situationen, die Ihr Hund schafft, zu bew\u00e4ltigen, geben ihm die Sicherheit und das Gef\u00fchl, etwas richtig gemacht zu haben. Besch\u00e4ftigungen, die sehr zum Selbstbewusstsein des Hundes beitragen, sind gemeinsames Tricksen oder Degility. Degility ist ein Bewegungsparcours, den der Hund gemeinsam mit seinem Halter in seinem eigenen Tempo auf verschiedensten Untergr\u00fcnden durchl\u00e4uft, ganz ohne Wettbewerbscharakter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Stimmungs\u00fcbertragung: Wie f\u00fchlen Sie sich selbst?<\/strong><\/p>\n<p>Letztendlich geht es bei dem Vermitteln von Sicherheit auch viel um Sie und Ihre Stimmung als Halter. Denn Sie k\u00f6nnen Ihrem Hund nur Sicherheit vermitteln, wenn Sie sich selbst auch sicher f\u00fchlen. Was aber h\u00e4ufig passiert, ist dass wir Halter uns gerne in der schrecklichen Vergangenheit unserer Tierschutzhunde verstricken und nicht selten in Gef\u00fchlen von Mitleid, Trauer und Sorge landen. Eine negative Stimmung schafft Ihrem Hund jedoch keine Abhilfe. Was ihm stattdessen weiterhilft, ist ein souver\u00e4ner und selbstsicherer Bindungspartner mit einer starken, positiven Ausstrahlung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Daher &#8211; und nicht zuletzt auch f\u00fcr sich selbst &#8211; sollten Sie es sich zur Gewohnheit machen, an Ihrem Mindset zu arbeiten und Ihre Stimmung zur Priorit\u00e4t zu machen. Eine wissenschaftlich nachgewiesene M\u00f6glichkeit, um das eigene Stresslevel herunterzufahren sowie mehr Dankbarkeit und Achtsamkeit in den Alltag zu bringen, ist Meditation. Versuchen Sie, sich jeden Tag f\u00fcnf Minuten f\u00fcr sich zu nehmen und sich w\u00e4hrend der Meditation auf alles Positive in Ihrem Leben zu konzentrieren. Sie werden schon nach kurzer Zeit eine Ver\u00e4nderung Ihrer Stimmung bemerken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um sich in akuten Situationen zu beruhigen und von einer unsicheren in eine sichere Stimmung zu shiften, hilft die 4-7-8 Atemtechnik. Bei dieser Atemtechnik atmen Sie vier Sekunden lang durch die Nase tief in Ihren Bauch ein, halten sieben Sekunden lang Ihren Atem an und atmen anschlie\u00dfend acht Sekunden lang ger\u00e4uschvoll durch Ihren Mund wieder aus. Gerade auf dem Spaziergang hat diese Form der Atmung schon vielen Mensch-Hund-Teams weitergeholfen, um bei entgegenkommenden Hunden einen klaren Kopf zu bewahren. Durch das Anhalten der Luft hat der Sauerstoff Zeit, in unseren Zellen anzukommen und hilft uns dabei, klarer zu denken, sicherer zu handeln und souver\u00e4ner aufzutreten und dadurch bessere Entscheidungen f\u00fcr unser Mensch-Hund-Team zu treffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Egal, woher sie kommen: aus Rum\u00e4nien, Griechenland oder Portugal &#8211; sie brauchen unsere Hilfe. 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