{"id":12827,"date":"2020-01-21T10:51:43","date_gmt":"2020-01-21T09:51:43","guid":{"rendered":"https:\/\/flexi.de\/de\/?p=12827"},"modified":"2020-01-21T10:51:43","modified_gmt":"2020-01-21T09:51:43","slug":"die-sache-mit-der-dominanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/flexi.de\/de\/die-sache-mit-der-dominanz\/","title":{"rendered":"Die Sache mit der Dominanz"},"content":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich erz\u00e4hlte mir eine Bekannte, die in einer Apportiergruppe trainiert, von einem Rat ihres Trainers. Wenn ihr Hund dicht an ihrer linken Seite sitzt,\u00a0 stellt er oft seine rechte Pfote auf ihren linken Fu\u00df. Ihr Trainer sagte ihr, das m\u00fcsse sie unbedingt unterbinden, denn das sei Dominanzverhalten.<\/p>\n<p>Eine andere Bekannte hat gerade einen Welpen. Im Auto bringt sie ihn in einer Box im Heck unter. \u00d6ffnet sie die Box, bleibt der Welpe darin liegen und dr\u00e4ngt nicht heraus. Auch wenn Sie ihn animiert, zur Boxen\u00f6ffnung zu kommen, bleibt er lieber liegen. Eine Trainingsfreundin erkl\u00e4rte ihr, dass sie da durchgreifen muss. Denn der Welpe w\u00fcrde sie nur ver\u00e4ppeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beides ist nat\u00fcrlich reinster Humbug. Im ersten Beispiel sitzt der Hund einfach so dicht an der Seite seiner Besitzerin, dass seine Pfote besser auf dem Schuh von Frauchen Platz hat. Im zweiten f\u00fchlt der Welpe sich in der Box einfach wohl oder ist m\u00fcde. Kein Welpe ist \u201edominant\u201c, wie auch die wenigsten Hunde an sich.<\/p>\n<p>Doch was ist eigentlich Dominanz? Kurz gesagt verh\u00e4lt derjenige sich dominant, der die Freiheiten oder den Bewegungsradius eines anderen zeitweise oder situationsabh\u00e4ngig einschr\u00e4nkt. Es ist also kein andauernder Zustand und es geh\u00f6ren immer zwei dazu \u2013 der, der dominiert und der, der dominiert wird.\u00a0 Dominanz hat au\u00dferdem nichts mit Gewalt zu tun.<\/p>\n<p>Auch dazu ein Beispiel: Der eine Hund einer Freundin (sie hat zwei) legt sich gern mal in das Bett des anderen. Das ist in Ordnung, solange der andere sein Bett nicht braucht. Aber wenn der eigentliche Besitzer findet, dass sein Kumpel nichts\u00a0 darin zu suchen hat, stellt er sich gro\u00df vor sein Bett und schaut dem anderen \u201eernst\u201c in die Augen. Und der r\u00e4umt das fremde Bett umgehend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dominanz contra Training<\/strong><\/p>\n<p>Bei diesem Thema prallen mittlerweile Welten aufeinander. Sind manche immer noch der Meinung, dass jeder Hund die Weltherrschaft anstrebt oder Ungehorsam in erster Linie dominantes Verhalten ist, gibt es auf der anderen Seite die, die jegliche einschr\u00e4nkende Ma\u00dfnahme im Umgang mit dem Hund unter \u201eGewalt\u201c verbuchen, die den Hund ver\u00e4ngstigt. Doch es gibt nicht nur Schwarz oder Wei\u00df.<\/p>\n<p>Fakt ist, dass der Hund auf ein Leben in einem sozialen Verband ausgerichtet ist, in dem es auch Regeln gibt. Durch die Domestizierung und gezielte Zucht ist er so gut an das Leben mit dem Mensch angepasst, dass er diesen als echten Sozialpartner sieht und, je nach Rasse, meist gern\u00a0 kooperiert. Wie die wilden Verwandten braucht er jedoch einen erfahrenen \u201eTeamchef\u201c, der Entscheidungen trifft, f\u00fcr ihn sorgt, ihn besch\u00fctzt, die Regeln f\u00fcr das Zusammenleben festlegt und daf\u00fcr sorgt, dass sie eingehalten werden. Das ist in einer Wolfsfamilie nicht anders.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Training, Pr\u00e4senz, Management<\/strong><\/p>\n<p>Klar ist, dass im Zweifel nicht der Hund es ist, der seinen Zweibeiner in irgendeiner Art einschr\u00e4nkt. Er bestimmt also beispielsweise nicht, ob oder wann Sie auf Ihr Sofa d\u00fcrfen. Doch soweit kommt es nicht, wenn man sich wie ein Teamchef verh\u00e4lt. Welche Eigenschaften sind daf\u00fcr n\u00f6tig? Ein Teamchef verh\u00e4lt sich souver\u00e4n. Er ist unaufgeregt, \u201ecool\u201c, klar, nicht launisch, konsequent, verl\u00e4sslich und wei\u00df immer, was zu tun ist.\u00a0 Er strahlt Ruhe und eine nat\u00fcrliche Autorit\u00e4t aus. So gibt er dem Hund Sicherheit und Geborgenheit. Das braucht der Vierbeiner! Wirkt der Zweibeiner nicht oder zu wenig so, kommt es auf den Hund an, wie er reagiert. Der eine macht dann einfach nur sein Ding, der unsichere f\u00fchlt sich mit Vielem total \u00fcberfordert, Vierbeiner mit einer starken Pers\u00f6nlichkeit haben das Gef\u00fchl, die Dinge nun selbst regeln zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Der Grundgehorsam<\/u><\/p>\n<p>Ein zuverl\u00e4ssiger Grundgehorsam ist eine Versicherung f\u00fcr Mensch und Hund. Ohne ihn kommt man in unserer dicht besiedelten Gegend nicht aus, sofern man den Vierbeiner nicht \u00fcberwiegend an der Leine lassen will. Grundgehorsam hei\u00dft, den Hund kontrollieren zu k\u00f6nnen. Je besser der Hund auf Sie h\u00f6rt, umso mehr Freiheiten kann man ihm gew\u00e4hren. Trainiert werden diese Basics ausschlie\u00dflich in kleinen Schritten mit positiver Verst\u00e4rkung. Das hei\u00dft, anfangs wird der Hund mittels Happen in die entsprechende Position gelenkt und dann belohnt. Dann wird ein entsprechendes Kommando verkn\u00fcpft.\u00a0 Begonnen wird ohne Ablenkung, erst nach und nach kommt sie dazu. Immer mit Belohnung!<\/p>\n<p>Da wir nicht im Labor leben und ein Hund keine Maschine ist, kann es trotz gutem Training ab und an mal passieren, dass er etwas nicht macht oder eine \u00dcbung selbst beendet, obwohl er sie schon kann. Dann sollte der Zweibeiner seine Anweisung einfordern, auch wenn der Hund vielleicht gerade nicht so viel Lust dazu hat. Nehmen wir an, Sie haben \u201eSitz\u201c gesagt. Der Hund setzt sich aber nicht, weil er gerade etwas Interessanteres wahrgenommen hat. Sie k\u00f6nnen sich nun vor ihn stellen, einen Schritt auf ihn zu machen und ruhig und verbindlich das \u201eSitz\u201c wiederholen. Er geht dadurch mit dem Vorderk\u00f6rper etwas zur\u00fcck und sitzt. Oder man steht neben ihm, stupst ihn an und wiederholt das Kommando. Auch ein leichter Druck auf das Hinterteil erinnert ihn samt \u201eSitz\u201c an das Ihre \u201eAnweisung\u201c. Anschlie\u00dfend wird er gelobt.\u00a0 Alle drei Varianten sch\u00fcchtern den Vierbeiner weder ein, noch zerst\u00f6ren sie die Beziehung zwischen Mensch und Hund. Es ist eine Sache Ihrer Pr\u00e4senz. Der Vierbeiner wei\u00df, dass Sie meinen, was Sie sagen. Darauf kommt es an. Wer hier vermeintlich gro\u00dfz\u00fcgig ist, schadet seinem Hund letztlich. Denn man l\u00e4sst ihn so im Unklaren dar\u00fcber, wie er es richtig macht.\u00a0 Er kann nicht erkennen, wann \u201eSitz\u201c f\u00fcr Sie ganz wichtig oder weniger wichtig ist! Die Folge ist, dass ein Kommando vor allem dann nicht klappt, wenn es wichtig w\u00e4re. Ist immer nur ein Leckerchen oder \u00c4hnliches der Anreiz, Ihren \u201eAnweisungen\u201c zu folgen, wird es sp\u00e4testens dann schwierig, wenn der andere Reiz interessanter als der Happen ist.<\/p>\n<p>Aber Achtung! Passiert es \u00f6fter, dass der Vierbeiner ein Kommando nicht befolgt, hat der Hund etwas noch nicht verstanden oder es ist noch nicht genug gefestigt. Dann hei\u00dft es erst mal, das Training zu \u00fcberdenken und Defizite auszugleichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Was der Hund selbst entscheiden kann<\/u><\/p>\n<p>Kontrolle \u00fcber den Hund hei\u00dft keinesfalls, jeden seiner Schritte vorzugeben. Er kann sich zuhause hinlegen, wo er will. Nicht nur auf sein Hundebett. Er kann mit seinen Spielsachen spielen, wann er mag. Auf dem Spaziergang kann er schn\u00fcffeln und rennen oder Artgenossen treffen, wo es problemlos m\u00f6glich ist. Trotzdem sollte er Sie aber stets im Auge behalten.\u00a0 Viele Vierbeiner m\u00f6gen es, wenn man zwischendurch ein paar \u00dcbungen, egal ob Basics oder Geschicklichkeits\u00fcbungen, macht. Als ich k\u00fcrzlich an einem Baumstamm vorbei gegangen bin, \u00fcber den ich meine H\u00fcndin ab und zu balancieren lasse, hat sie sich von selbst darauf gesetzt. Also habe ich Leckerchen darauf verteilt und sie die beim Balancieren aufsammeln lassen. Wenn ich sie animieren w\u00fcrde, sie aber keine Lust h\u00e4tte, w\u00e4re das ok. Das ist ja keine Gehorsams\u00fcbung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Wenn der Hund etwas anderes will<\/u><\/p>\n<p>Manchmal ist es notwendig, den Vierbeiner zu lenken, wenn er etwas macht, was Sie nicht wollen. Dazu ein paar Beispiele:<\/p>\n<p>&#8211; Wer zwei Hunde hat, erlebt es manchmal, dass sie zu sehr aufdrehen und toben. Dann gehen Sie bestimmt, aber ohne jegliche Hektik dazwischen und halten jeden gegebenenfalls kurz fest. Ein ernstes \u201eNanana\u201c unterstreicht das noch. Auch hier sind Sie pr\u00e4sent. Das ist normale Kommunikation und weder Psychoterror, noch Gewalt. Jeder Vierbeiner kann sich dann mit etwas anderem besch\u00e4ftigen. \u00a0Nur getobt wird nicht mehr.<\/p>\n<p>&#8211; Soll der Verbeiner grunds\u00e4tzlich nicht in die K\u00fcche, kann man ihn k\u00f6rpersprachlich hinausdr\u00e4ngen oder immer wieder seinen Weg kreuzen,\u00a0 so dass es ihm zu unbequem wird und er lieber was anderes macht. Weder muss er auf seinen Platz gehen noch sonst eine bestimmte \u00dcbung ausf\u00fchren. Er soll lediglich nicht in die K\u00fcche.\u00a0 Ist er drau\u00dfen, best\u00e4tigen Sie ihn mit stimmlichem Lob.<\/p>\n<p>&#8211; Eine weitere Option ist die Belohnung eines bereits einge\u00fcbten Alternativverhaltens. Das macht vor allem dort Sinn, wo der Hund damit statt mit dem unerw\u00fcnschten Verhalten sein Ziel erreicht. Zum Beispiel wird der Vierbeiner nicht begr\u00fc\u00dft, wenn er an einem hochspringt, sondern wenn er sich stattdessen setzt. Oder er wird nicht mit Freilauf belohnt, wenn er zerrend in der Leine h\u00e4ngt, sondern nachdem er sich im Sitzen ableinen l\u00e4sst und Sie anschaut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Management<\/u><\/p>\n<p>Wer hundegerecht mit seinem Vierbeiner umgeht und ein guter Teamchef ist, wird nur ab und zu die eine oder andere \u201eDiskussion\u201c mit dem Hund haben. Das ist auch gut so, denn es ist w\u00e4re nicht erstrebenswert, st\u00e4ndig Konflikte auszutragen. Ist das der Fall, stimmt etwas nicht zwischen Hund und Mensch.<\/p>\n<p>F\u00fcr so manches \u201eProblemfeld\u201c oder wenn jemandem Teamchefeigenschaften fehlen, hilft Management. Dadurch lassen sich Konflikte schon im Vorfeld vermeiden. Ein typischer Fall w\u00e4re etwa ein besonderes Beet im Garten, das f\u00fcr den Vierbeiner aber tabu sein soll.\u00a0 Anstatt ihn jedes Mal weg zu holen oder zu \u201eschimpfen\u201c, wenn er wieder im Beet steht oder buddelt, z\u00e4unen Sie das Beet entsprechend ein. So k\u00f6nnen alle entspannt bleiben.<\/p>\n<p>Zum obigen Beispiel K\u00fcche gibt es auch die Alternative, die K\u00fcche mit einem Kinderabsperrgitter zu \u201everbarrikadieren\u201c. Hat der Hund sich \u00fcber l\u00e4ngere Zeit daran gew\u00f6hnt, nicht in die K\u00fcche zu gehen, wird er das auch ohne Gitter beibehalten. Ein stimmliches Lob, wenn er die K\u00fcche verl\u00e4sst ist zus\u00e4tzlich gut.<\/p>\n<p>Begegnet Ihnen drau\u00dfen etwas, das dem Hund suspekt ist und ist es nicht m\u00f6glich, die Ursache mit ihm zusammen zu erkunden, nehmen Sie ihn an die Leine und f\u00fchren ihn mit Hilfe eines leckeren Happens mit Abstand daran vorbei.<\/p>\n<p>Die Leine ist unterwegs \u00fcbrigens grunds\u00e4tzlich ein probates Mittel, um unterschiedlichste Situationen zu mangen. Benutzen Sie sie auch!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Unterschiedliche Pers\u00f6nlichkeiten<\/u><\/p>\n<p>Sowohl wir Menschen, als auch Hunde haben unterschiedliche Pers\u00f6nlichkeiten. Sehr f\u00fchrige Hunde etwa sind hochkooperativ und\u00a0 orientieren sich sehr stark an ihrem Mensch. Andere wieder verfolgen gern auch eigene Ziele und nutzen es rasch aus, wenn ihr Mensch zu unklar bleibt. Was nichts mit Dominanz zu tun hat. Sondern einfach damit, dass der Hund lernt, was ihm etwas bringt und was nicht.<\/p>\n<p>Deshalb ist es von Vorteil, seinen Vierbeiner und sich m\u00f6glichst genau einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Und vor allem den Hund zu haben, der am besten zu einem passt.\u00a0 \u00dcberlegen Sie, was Ihnen wichtig ist im Zusammenleben und wie Sie das individuell Ihrer und der Art Ihres Hundes entsprechend umsetzen k\u00f6nnen. Es gibt fast immer mehrere Wege.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich erz\u00e4hlte mir eine Bekannte, die in einer Apportiergruppe trainiert, von einem Rat ihres Trainers. 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