{"id":16020,"date":"2020-07-10T13:00:01","date_gmt":"2020-07-10T11:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/flexi.de\/de\/?p=16020"},"modified":"2020-07-01T13:00:17","modified_gmt":"2020-07-01T11:00:17","slug":"stress-an-der-leine-warum-zeigt-mein-hund-eine-leinenaggression","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/flexi.de\/de\/stress-an-der-leine-warum-zeigt-mein-hund-eine-leinenaggression\/","title":{"rendered":"Stress an der Leine- Warum zeigt mein Hund eine Leinenaggression?"},"content":{"rendered":"<p>Zeigt Ihr Hund Aggressionen, wenn er an der Leine gef\u00fchrt wird, im Freilauf jedoch nicht? Tritt diese Aggression insbesondere gegen\u00fcber anderen Hunden auf? Und zeigt er sein aggressionstypisches Verhalten ausschlie\u00dflich an der Leine? Dann sprechen wir von einer Leinenaggression.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fchlen sich Hunde gestresst, so suchen sie nach einem Ventil, um ihrem angestauten Frust Luft zu verschaffen. F\u00fcr Sie als Hundehalter ist es also wichtig, diese Stressanzeichen schon so fr\u00fch wie m\u00f6glich zu erkennen.\u00a0Ist ein Hund gestresst, wird er versuchen, auf die stressausl\u00f6sende Situation zu reagieren, indem er versucht, zu fliehen. Es kann auch passieren, dass er vor Angst erstarrt oder seine Aufmerksamkeit ganz pl\u00f6tzlich auf einen anderen Reiz richtet (\u00dcbersprungshandlung). F\u00fchren diese Strategien nicht zum Erfolg, bleibt dem Hund nur noch eine M\u00f6glichkeit, die Situation zu beenden: Er geht in den Angriff \u00fcber.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Warum zeigt mein Hund aggressives Verhalten an der Leine?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fchrt ein bestimmtes Verhalten f\u00fcr den Hund zum Erfolg, so wird er es zuk\u00fcnftig weiterhin zeigen und zwar auch in \u00e4hnlichen Situationen und tendenziell in der Intensit\u00e4t steigend. Erm\u00f6glichen wir als Halter und Bindungspartner unserem Hund nicht, aus der Situation zu entfliehen oder bieten ihm keine andere Bew\u00e4ltigungsstrategie, so wird er folglich irgendwann den Angriff und damit die verbundenen aggressiven Verhaltensweisen als Ventil nutzen, um sich selbst zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie so h\u00e4ufig sind auch hier unterschiedliche Gr\u00fcnde m\u00f6glich, die dazu gef\u00fchrt haben, dass Ihr Hund eine Leinenaggression entwickelt hat. Es ist zudem nicht unwahrscheinlich, dass eine Kombination aus mehreren folgenden Ursachen an der Entstehung des Problems beteiligt sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fehlverkn\u00fcpfungen<\/strong><\/p>\n<p>Im Hundetraining machen wir uns die Konditionierung zunutze, wenn wir ein erw\u00fcnschtes Verhalten \u201eSitzen\u201c mit einem positiven Verst\u00e4rker \u201eLeckerli\u201c verkn\u00fcpfen und sp\u00e4ter mit einem Wortsignal \u201eSitz\u201c in Verbindung bringen. Im Training ist dies geplant und erw\u00fcnscht. Im Alltag kann eine klassische Konditionierung jedoch auch ungeplant entstehen, n\u00e4mlich dann, wenn wir unserem Hund einen Leinenruck geben. Sieht Ihr Hund zuf\u00e4lligerweise im gleichen Moment einen anderen Hund, verbindet er ihn mit dem schmerzhaften Gef\u00fchl, welches durch den Leinenruck ausgel\u00f6st wurde und andere Hunde werden zuk\u00fcnftig zum Ank\u00fcndiger f\u00fcr Schmerz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Negative Erfahrungen<\/strong><\/p>\n<p>Auch negative Erfahrungen und Angst k\u00f6nnen zum Ausl\u00f6ser einer Leinenaggression werden. Erinnern wir uns an das weiter oben genannte Beispiel: Erlebt Ihr Hund eine traumatische Situation, in der er beispielsweise aus heiterem Himmel von einem anderen Hund attackiert wird, w\u00e4hrend er sich selbst an der Leine befindet, und kann weder fliehen, noch f\u00fchren andere deeskalierenden Ma\u00dfnahmen zum Erfolg, so wird ihm nichts anderes \u00fcbrig bleiben, als in seiner ausweglosen Situation in den Angriff \u00fcberzugehen, was sich in einer Leinenaggression \u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Frustration<\/strong><\/p>\n<p>Befindet sich Ihr Hund an der Leine, ist er in seinem Handeln eingeschr\u00e4nkt und kann sich nicht immer so bewegen und ausdr\u00fccken, wie er gerne w\u00fcrde. Insbesondere, wenn es darum geht, mit anderen Hunden zu interagieren, kann es f\u00fcr einige Hunde schwierig werden, ihren Frust zu kontrollieren. Arbeitet man bei diesen Hunden nicht ausreichend an ihrer Frustrationstoleranz, kann auch das Beobachten von spielenden Hunden dazu f\u00fchren, dass Ihr Hund in die Leine springt. Versuchen Sie, entsprechende \u00dcbungen zur Ausweitung dieser Toleranz in Ihren Alltag zu integrieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Stimmungs\u00fcbertragung<\/strong><\/p>\n<p>Wenn Hundehalter bereits negative Erfahrungen mit aggressivem Verhalten gesammelt haben, f\u00e4llt es ihnen tendenziell schwerer, ihre eigene Stimmung zu kontrollieren und damit als sichere und souver\u00e4ne F\u00fchrungsposition f\u00fcr den eigenen Hund aufzutreten. Ist Ihr Hund ohnehin schon \u00e4ngstlich unsicher, verst\u00e4rken Sie seine Stimmung und Bereitschaft, das Zepter selbst in die Hand zu nehmen und die Situation durch ein Hervorschie\u00dfen und Bellen an der Leine zu l\u00f6sen, wenn Sie sich selbst ebenso f\u00fchlen. Gehen Sie stattdessen aufrecht, atmen vor einer Hundebegegnung mehrmals tief durch und verzichten Sie darauf, die Leine aus eigener Anspannung heraus mehrfach um Ihr Handgelenk zu wickeln. Denn das Verk\u00fcrzen der Leine erzeugt Zug und Druck beim Hund und Druck erzeugt immer auch Gegendruck, auch Oppositionsreflex genannt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schmerzen<\/strong><\/p>\n<p>Haben Sie in der letzten Zeit bemerkt, dass Ihr Hund vermehrt Abstand zu anderen Hunden sucht? Hunde, die Schmerzen haben, alt oder gebrechlich sind, sich nicht richtig wehren k\u00f6nnen, weil ihr K\u00f6rper gerade einfach nicht mehr richtig mitmacht, halten andere Hunde m\u00f6glicherweise durch aggressive Verhaltensweisen auf Abstand. Um einer Spielaufforderung, die sich in einem Anspringen \u00e4u\u00dfern und damit durchaus freundlich gemeint sein, beim Gegen\u00fcber aber Schmerzen ausl\u00f6sen kann, zu umgehen, ist eine Distanzvergr\u00f6\u00dferung und damit eine Schmerzvermeidung die bessere Wahl. Beobachten Sie Ihren Hund genau und gehen Sie bei Verdacht auf Schmerzen bitte unbedingt zu Ihrem Tierarzt des Vertrauens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fehlende Strukturen und Rituale<\/strong><\/p>\n<p>Es kann aber auch schlicht und einfach der Fall sein, dass ein Hund nie gelernt hat, wie er sich anderen Mensch-Hund-Teams n\u00e4hern sollte. Es wurden nie Regeln oder Strukturen und Rituale in den Spaziergang etabliert. Kennt ein Hund keine Regeln, wird er selbst ausprobieren und lernen, welches Verhalten f\u00fcr ihn zum Erfolg f\u00fchrt \u2013 nicht aber, welches Verhalten wir uns von ihm w\u00fcnschen. Vielleicht hat Ihr Hund auch einfach Freude dabei, andere Hunde zu verbellen, da er sich durch die damit verbundene Testosteronaussch\u00fcttung als \u00dcberlegenen sieht und ihm dies ein gutes Gef\u00fchl beschert &#8211; vergleichbar mit einer Bef\u00f6rderung oder Gehaltserh\u00f6hung bei uns Menschen. Zeigen Sie Ihrem Hund stattdessen, dass es auch andere Wege gibt, die ihm Erfolgserlebnisse verschaffen: \u00fcben Sie gemeinsam Tricks ein oder verstecken Sie einen Dummy auf dem Spaziergang, den Sie gemeinsam suchen. Legen Sie Ihrem Hund au\u00dferdem Regeln auf, wie er sich beim Entgegenkommen anderer Hunde verhalten soll und bieten ihm damit ein Alternativverhalten. Machen Sie Ihren Hund fr\u00fchzeitig ansprechbar und f\u00fchren ihn mit einer gut etablierten \u201cbei Fu\u00df\u201d \u00dcbung kontrolliert vorbei. Dies kann ein riesiges Erfolgserlebnis und damit ein unfassbar positives Gef\u00fchl f\u00fcr Ihren Hund bedeuten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ritualisiertes Verhalten<\/strong><\/p>\n<p>Hat Ihr Hund in der Vergangenheit damit begonnen, aus seiner ganz individuellen Motivation, wie beispielsweise Schmerz, heraus ein Verhalten zu zeigen, dass in einer Leinenaggression m\u00fcndete, so kann es passieren, dass er diese Leinenaggression auch weiterhin zeigt, auch wenn er gar keine Schmerzen mehr empfindet. In diesem Fall spricht man von einem ritualisierten Verhalten. Die Situation, in der Ihr Hund versuchte, andere Hunde auf Abstand zu halten, hat dann so h\u00e4ufig zum Erfolg gef\u00fchrt, dass es irgendwann ganz automatisch, ohne dar\u00fcber nachzudenken &#8211; ritualisiert &#8211; abgelaufen und damit zur Gewohnheit geworden ist. Auch, wenn das Symptom (Schmerz) mittlerweile behoben wurde, kann das Verhalten also durchaus noch weiterhin gezeigt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Daher ist es in jedem Fall ratsam, eine Leinenaggression mit einem guten Hundeverhaltensberater oder Hundeverhaltenstherapeuten anzugehen, bei dem Sie sich wohl und gut aufgehoben f\u00fchlen. Eine gute Ma\u00dfnahme w\u00e4re immer, zuerst die Ursache zu beheben. Durch ritualisierte Verhaltensweisen, Fehlverkn\u00fcpfungen oder negativen Erfahrungen kann das unerw\u00fcnschte Verhalten Ihres Hundes aber dennoch weiter bestehen bleiben. Hierzu sollte dann mit dem Experten ein L\u00f6sungsansatz erarbeitet werden, der Ihnen neben einem guten Trainingsplan zeigt, wie Sie sich im Notfall verhalten sollten und Sie auf den Alltag vorbereitet, in denen Training nicht immer so gut umzusetzen ist, wie wir es uns in der Theorie vorstellen.\u00a0Mit solch einem Plan werden Sie f\u00fcr Training und Alltag gut gewappnet sein!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeigt Ihr Hund Aggressionen, wenn er an der Leine gef\u00fchrt wird, im Freilauf jedoch nicht? 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