{"id":16774,"date":"2020-06-04T11:43:57","date_gmt":"2020-06-04T09:43:57","guid":{"rendered":"https:\/\/flexi.de\/de\/?p=16774"},"modified":"2020-04-28T11:44:21","modified_gmt":"2020-04-28T09:44:21","slug":"der-senior-check-warum-eine-jaehrliche-untersuchung-so-wichtig-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/flexi.de\/de\/der-senior-check-warum-eine-jaehrliche-untersuchung-so-wichtig-ist\/","title":{"rendered":"Der Senior-Check &#8211; Warum eine j\u00e4hrliche Untersuchung so wichtig ist"},"content":{"rendered":"<p>Dass Kessy nicht mehr die J\u00fcngste war, wusste ihr Halter Roland K. nat\u00fcrlich. War die Golden Retriever-H\u00fcndin fr\u00fcher unerm\u00fcdlich am Fahrrad mitgelaufen, zwang sie ihr Herrchen jetzt regelm\u00e4\u00dfig zu kurzen Runden im gem\u00e4chlichen Tempo. Dennoch mochte er nicht realisieren, dass seine elfj\u00e4hrige Fellnase vielleicht gesundheitliche Probleme hatte. Erst Freunde bescherten ihm einen unangenehmen Weckruf. \u201eKessy sieht nicht gut aus\u201c, warnten sie Roland K. beim Besuch in seinem Haus, \u201eund hast du nicht bemerkt, dass sie viel trinkt?\u201c<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck nahm der Hundehalter die Warnung ernst und machte mit Kessy einen Termin zur Untersuchung. Diese ergab: Die Nieren der H\u00fcndin arbeiteten nur noch zu einem Drittel \u2013 der Grund f\u00fcr ihren starken Durst. Das Blutbild zeigte \u00fcberdies bereits eine nierenbedingte An\u00e4mie. Kein Wunder, dass Kessy schnell erm\u00fcdete. Nicht mehr lange, und die H\u00fcndin w\u00e4re verloren gewesen.<\/p>\n<p>Auch Familie M. hing sehr an Border Collie-Mix Tom. Nat\u00fcrlich bemerkten sie, dass er ruhiger geworden war, er schlief viel und vermied Bewegungen. Aber das hielten sie f\u00fcr normal, immerhin hatte er seinen 13. Geburtstag hinter sich. Bei ihnen war es die Tochter, die in den Semesterferien heimkehrte und seine Unlust korrekt identifizierte \u2013 als Alarmzeichen. Die Diagnose des Tierarztes: Schmerzen durch Spondylosen an der Lendenwirbels\u00e4ule. Tom wurde vor\u00fcbergehend mit Schmerzmitteln versorgt und pr\u00e4sentierte sich, als w\u00e4re er dem fabelhaften Jungbrunnen entstiegen.<\/p>\n<p>Viele Hundehalter sch\u00fctteln bei solchen Geschichten ungl\u00e4ubig den Kopf. Derartige Auff\u00e4lligkeiten beim eigenen Hund, die kann man doch nicht \u00fcbersehen? Da w\u00e4re ich doch schon l\u00e4ngst beim Therapeuten gewesen!?!<\/p>\n<p>Doch in der Realit\u00e4t stellen sich altersbedingte Ver\u00e4nderungen oft sehr schleichend ein. In winzigen Schritten, \u00fcber gro\u00dfe Zeitr\u00e4ume, kaum sichtbar. Und Hunde arrangieren sich mit k\u00f6rperlichen Problemen sehr gut. Das liegt in ihrer Natur \u2013 ein Rudelmitglied m\u00f6chte keine Schw\u00e4che zeigen. Das kann den Platz in der Rangordnung kosten, im schlimmsten Fall sogar zum Ausschluss aus der Gruppe f\u00fchren. Dann lieber die Z\u00e4hne zusammenbei\u00dfen.<\/p>\n<p>So kommt es, dass chronische Schmerzen vom Hund nur sehr subtil gezeigt werden. Unerfahrene Tierbesitzer k\u00f6nnen die Zeichen tats\u00e4chlich sehr lange \u00fcbersehen. Das ist ein wichtiger Grund f\u00fcr einen regelm\u00e4\u00dfigen Seniorcheck beim Tierarzt oder Tierheilpraktiker. Ein weiteres Argument f\u00fcr Vorsorgeuntersuchungen: Organschw\u00e4chen wie die schon fortgeschrittene Niereninsuffizienz von Goldie Kelly k\u00f6nnen diagnostiziert werden, bevor sie ernsthaften Schaden verursachen.<\/p>\n<p>\u201eDer ist eben alt\u201c, lautet die g\u00e4ngige Erkl\u00e4rung, wenn ein Hund jenseits der Lebensmitte Verhaltensver\u00e4nderungen zeigt. Aber mit \u201eDer ist eben alt\u201c und \u201eGegen das Alter ist kein Kraut gewachsen\u201c darf man sich nicht herausreden. Damit wird m\u00f6glicherweise ein Leiden des Vierbeiners ignoriert, wo Hilfe m\u00f6glich w\u00e4re. Vielleicht l\u00e4sst man mit einem Schulterzucken zu, dass das Tier Schmerzen ertragen muss, die vermeidbar w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich geht jeder verantwortungsvolle Hundebesitzer zum Tierarzt, wenn sein haariger Liebling Probleme hat. Besser gesagt: Wenn er eine Gesundheitsst\u00f6rung seines Vierbeiners wahrnimmt. Denn viele typische Alterserkrankungen entwickeln sich latent. Der Durst durch die Nierenschw\u00e4che ist nicht pl\u00f6tzlich riesengro\u00df, erst nach und nach trinkt der Hund immer ein bisschen mehr. Dass der Seniorhund viel mehr liegt als fr\u00fcher und irgendwann nicht einmal zur Begr\u00fc\u00dfung mehr aufsteht \u2013 das ist doch ganz normal? Wir laufen ja auch mit 70 keinen Marathon mehr?<\/p>\n<p>K\u00f6rperliche und geistige Leistungseinschr\u00e4nkungen mit zunehmendem Lebensalter sind wie bei Menschen tats\u00e4chlich auch bei Haustieren ganz nat\u00fcrlich. Und das macht es so schwierig, die Grenze zu erkennen zwischen Altersschw\u00e4che und Erkrankung. F\u00fcr Laien ist das teilweise sogar unm\u00f6glich. Manche Hunde zeigen ein nur wenig ver\u00e4ndertes Gangbild \u2013 aber wenn das urs\u00e4chliche Problem mit einer geeigneten Therapie behoben wird, k\u00f6nnen Folgeerkrankungen damit f\u00fcr lange Zeit verhindert werden. Andere Tiere nehmen einfach zu und werden immer fauler und verfressener \u2013 welcher Hundehalter wei\u00df schon, dass m\u00f6glicherweise die Schilddr\u00fcse nicht mehr ausreichend Hormone produziert und dass dadurch eine ganze Reihe von lebenswichtigen Stoffwechselprozessen aus dem Gleichgewicht ger\u00e4t?<\/p>\n<p>Im Grunde m\u00f6chte jeder Hundebesitzer Leid von seinem Tier fernhalten und w\u00fcnscht sich ein langes gemeinsames Leben. Prophylaxe-Untersuchungen sind ein einfaches und wirkungsvolles Mittel, beides zu erreichen. Zu empfehlen ist der Seniorcheck ab Beginn der voraussichtlichen zweiten Lebensh\u00e4lfte einmal j\u00e4hrlich. Im letzten Lebensdrittel sollte man sogar alle sechs Monate zur Untersuchung gehen.<\/p>\n<p>Diese Komponenten geh\u00f6ren zum geriatrischen Gesundheitscheck:<\/p>\n<ul>\n<li>Anamnese, also Befragung des Halters, wie sich das Tier im Alltag bez\u00fcglich Hunger, Durst, Lebens- und Bewegungsfreude verh\u00e4lt und ob es Ver\u00e4nderungen gibt<\/li>\n<li>Beurteilung des Hundes in Bewegung<\/li>\n<li>Palpation (Abtasten) des K\u00f6rpers, besonders bei Auff\u00e4lligkeiten in der Bewegung<\/li>\n<li>Auskultation (Abh\u00f6ren) von Herz und Lunge, Pulsmessung<\/li>\n<li>Temperaturmessung<\/li>\n<li>Untersuchung von Z\u00e4hnen und Zahnfleisch<\/li>\n<li>Untersuchung der Ohren und Augen<\/li>\n<li>Blutanalyse: Gro\u00dfes Blutbild, Nieren- und der Leberwerte, Bauchspeicheldr\u00fcsen- und Schilddr\u00fcsenfunktion<\/li>\n<li>Urinuntersuchung<\/li>\n<li>Bei Auff\u00e4lligkeiten von Blut und Urin k\u00f6nnen weitere Werte nachgefordert werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfige Vorsorge-Untersuchungen bieten die Chance, fr\u00fchzeitig Probleme festzustellen. Diese Diagnose ist die Voraussetzung daf\u00fcr, mit der richtigen Therapie die Beschwerden zu lindern. Wie es auch bei Kessy und Tom geschah. Um Tom vor organsch\u00e4digenden Nebenwirkungen durch Langzeitgaben der Schmerzmittel zu sch\u00fctzen, wichen wir auf eine Therapiekombination aus Akupunktur, Physiotherapie und entz\u00fcndungshemmenden Kr\u00e4utern aus. Er wurde fast 16 Jahre alt und genoss bis zum Schluss Spazierg\u00e4nge im Wald.<\/p>\n<p>Kessys Nierensch\u00e4digung war leider schon weit fortgeschritten. Dennoch konnten wir ihren Zustand stabilisieren, die An\u00e4mie lindern und so ihre Lebensqualit\u00e4t deutlich erh\u00f6hen. Das erreichten wir mit einer konsequenten Ern\u00e4hrungsumstellung, mit Unterst\u00fctzung aus der Hom\u00f6opathie und aus der Kr\u00e4uterheilkunde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass Kessy nicht mehr die J\u00fcngste war, wusste ihr Halter Roland K. nat\u00fcrlich. 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