{"id":19858,"date":"2020-06-22T13:12:32","date_gmt":"2020-06-22T11:12:32","guid":{"rendered":"https:\/\/flexi.de\/de\/?p=19858"},"modified":"2020-06-22T13:13:32","modified_gmt":"2020-06-22T11:13:32","slug":"futterwechsel-bei-juckreiz-warum-das-selten-die-loesung-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/flexi.de\/de\/futterwechsel-bei-juckreiz-warum-das-selten-die-loesung-ist\/","title":{"rendered":"Futterwechsel bei Juckreiz \u2013 warum das selten die L\u00f6sung ist"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDa musst du barfen!\u201c \u2013 gern und oft vernommener Rat unter Hundehaltern, wenn ein Hund Juckreiz zeigt. Die Biologische Artgerechte Roh-F\u00fctterung, kurz BARF, hat einen gro\u00dfen Fanclub und wird gerne als die L\u00f6sung aller Gesundheitsprobleme unserer lieben Vierbeiner angebracht. Man muss bei diesem Thema aber \u2013 was bei einem Hype nicht einfach ist \u2013 auf dem Teppich bleiben.<\/p>\n<p>Barfen kann eine sehr gesunde F\u00fctterungsform sein, wenn man es richtig macht. Dabei reicht es aber nicht, dem Hund ein Pfund rohes Fleisch hinzuwerfen. Damit w\u00e4re sein Bedarf an Vitaminen, Mineralien und N\u00e4hrstoffen nicht gedeckt und er w\u00fcrde Mangelerscheinungen bekommen. Diese k\u00f6nnten unterschiedliche Gesundheitsst\u00f6rungen ausl\u00f6sen, die sich in mehr oder weniger klaren Symptomen zeigen &#8211; vielleicht sogar mit Fellproblemen und Juckreiz.<\/p>\n<p>Es empfiehlt sich daher, den N\u00e4hrstoffbedarf und die geeignete F\u00fctterung durch einen versierten Berater berechnen zu lassen. Denn wenn diese Art der Hundeern\u00e4hrung korrekt umgesetzt wird, ist das f\u00fcr den Hund nicht das Schlechteste. Die F\u00fctterung ist artgerecht und naturnah, kommt ohne k\u00fcnstliche Zusatzstoffe oder Konservierungsmittel aus und kann sehr individuell an die Bed\u00fcrfnisse angepasst werden. Somit kann man durch Barfen tats\u00e4chlich vielen Krankheiten vorbeugen &#8211; vielleicht sogar einer Allergie. Dass aber bei einer manifestierten \u00dcberreaktion des Immunsystems die Symptome eines Allergikers einfach so mit einer Umstellung auf Rohf\u00fctterung verschwinden, das ist eher selten.<\/p>\n<p>Ein anderer beliebter Ratschlag ist \u201eNimm mal anderes Futter\u201c. Merke: Der Wechsel von einem Fertigfutter zu irgendeinem anderen Industriefutter wird die Problematik m\u00f6glicherweise verschlimmern. Eine Verbesserung ist jedenfalls nicht zu erwarten. Auf jeden Fall verschwendet man mit dem ziellosen Herumprobieren Zeit, was bedeutet, dass der Hund sich l\u00e4nger mit Juckreiz qu\u00e4len muss, bis eine ernsthafte Therapie ihm hilft.<\/p>\n<p>Und hier noch der dritte bombensichere Tipp vom diensthabenden K\u00fcchenmediziner: \u201eDu musst ohne Getreide f\u00fcttern. Jeder wei\u00df doch, dass die meisten Allergien vom Getreide kommen!\u201c Nein, das muss niemand wissen, weil es n\u00e4mlich Bl\u00f6dsinn ist. Futterallergien richten sich gegen Proteine, und die meisten Proteine sind im Fleisch enthalten. Die h\u00e4ufigsten Allergene sind Rinder- und H\u00fchnerprotein. Warum? Weil das die am meisten verarbeiteten Futterinhaltsstoffe sind. Nat\u00fcrlich gibt es auch allergische Reaktionen auf Gem\u00fcse und Getreide\u2013 aber trotz der Modewelle \u201egetreidefreie Hundef\u00fctterung\u201c gibt es leider nicht weniger Allergiker.<\/p>\n<p>Futterwechsel gegen Juckreiz \u2013 in welchen F\u00e4llen ist das denn eine erfolgsversprechende Idee? Fangen wir von vorne an. Zun\u00e4chst ist eine wichtige Frage zu kl\u00e4ren: Ist die Ursache f\u00fcr den Juckreiz tats\u00e4chlich eine Allergie? Die Vermutung ist immer schnell ge\u00e4u\u00dfert, doch es kommen viele andere M\u00f6glichkeiten in Betracht. Anhaltender Juckreiz ist immer ein Fall f\u00fcr einen Therapeutenbesuch. Und hier wie bei allen anderen Krankheitssymptomen gibt es bei der Reihenfolge keine Flexibilit\u00e4t: Erst kommt die Diagnose, dann die Therapie \u2013 und wenn n\u00f6tig der Futterwechsel.<\/p>\n<p>Nehmen wir jetzt an, dass dem Juckreiz wirklich eine Allergie zugrunde liegt. Kann die Ern\u00e4hrungsumstellung da helfen?<\/p>\n<p>Allergien gibt es nicht nur gegen Futter, sondern auch gegen Umweltallergene wie Pollen, Schimmelpilzsporen oder Milben. Beim Menschen \u00e4u\u00dfert sich das als Heuschnupfen oder allergisches Asthma, beim Hund nennt man das eine Atopie oder atopische Dermatose. Der Hund niest aufgrund einer Allergie nur selten. Bei ihm erzeugt das fehlfunktionierende Immunsystem Juckreiz. Neben der Umweltallergie gibt es noch die Flohbiss- und die Kontaktallergie, etwa auf Metalle (Futternapf, Halsband-Schlie\u00dfe) oder Waschmittel (Hundedecke). Kontaktallergien sind nicht so h\u00e4ufig beim Hund, wohl aber die Atopie und die Reaktion auf Flohbisse. Hauptsymptom all dieser unterschiedlichen Allergieformen ist der Juckreiz.<\/p>\n<p>Um festzustellen, auf welche Stoffe der Hund allergisch reagiert, empfiehlt sich eine Blutuntersuchung. Im gro\u00dfen Screening ermittelt das Labor, ob Antik\u00f6rper gegen Umweltallergene und gegen Futtermittel bestehen. Die Futtermittel werden gleich klassifiziert; Das Ergebnis zeigt dann zum Beispiel, dass der Hund auf Huhn, Ente, Fisch oder Erbsen reagiert. Werden Gr\u00e4ser oder Pollen als Schuldige ermittelt, kann man die Klassifizierung nachfordern. Dann bekommt man schwarz auf wei\u00df die Liste, welche Pollen oder Milben das Immunsystem als feindliche Invasoren eingeordnet hat. Leider kann man Umweltallergenen nur selten aus dem Weg gehen, weswegen hier regulierende Therapieformen angezeigt sind. Mit der Art der Ern\u00e4hrung hat das nur sekund\u00e4r zu tun.<\/p>\n<p>Wei\u00df der Hundehalter aber, welche Nahrungsbestandteile sein vierbeiniger Liebling nicht vertr\u00e4gt, kann er diese gezielt weglassen. Jetzt ist ein Futterwechsel nicht nur sinnvoll, sondern sogar die Therapie der Wahl. Und hier kann das Barfen eine sinnvolle L\u00f6sung sein \u2013 denn bei selbst zusammengestellten Futterrationen wei\u00df man ohne Zweifel, welche Inhaltsstoffe im Hund landen.<\/p>\n<p>Allerdings sind die Blutanalyse-Ergebnisse nicht zu hundert Prozent verl\u00e4sslich, weswegen man sicherheitshalber eine Ausschlussdi\u00e4t durchziehen sollte. Mit dieser und der daran anschlie\u00dfenden Provokationsdi\u00e4t findet man nach und nach heraus, was der Hund ohne b\u00f6se Folgen fressen darf. Das Procedere erscheint zun\u00e4chst umst\u00e4ndlich und ja, es ist zeitaufw\u00e4ndig. Aber ich kenne nur wenige F\u00e4lle, wo die Besitzer anschlie\u00dfend entt\u00e4uscht waren. Der Aufwand lohnt sich also. Mit Medikamenten ist n\u00e4mlich der Futterallergie kaum beizukommen. Und weil die meisten Allergien nicht geheilt werden k\u00f6nnen, lernt man besser fr\u00fch, damit zu leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDa musst du barfen!\u201c \u2013 gern und oft vernommener Rat unter Hundehaltern, wenn ein Hund Juckreiz zeigt. 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