{"id":9793,"date":"2019-06-25T07:40:25","date_gmt":"2019-06-25T05:40:25","guid":{"rendered":"https:\/\/flexi.de\/de\/?p=9793"},"modified":"2019-08-13T09:54:52","modified_gmt":"2019-08-13T07:54:52","slug":"zecken-zecken-ueberschaetze-oder-unterschaetzte-gefahr-teil-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/flexi.de\/de\/zecken-zecken-ueberschaetze-oder-unterschaetzte-gefahr-teil-i\/","title":{"rendered":"Zecken! Zecken? &#8211; \u00dcbersch\u00e4tzte oder untersch\u00e4tzte Gefahr? Teil I"},"content":{"rendered":"<h3>Neuank\u00f6mmlinge geistern durch die Gazetten<\/h3>\n<p>\u2013 und sie haben acht Beine: Neue Zeckenarten \u00fcberfallen Mitteleuropa und bringen gef\u00e4hrliche Seuchen mit. Derartige Schlagzeilen bringen Leser, sind Auflage-Garanten, vor allem wenn die Protagonisten die lieben Haustiere gef\u00e4hrden. Die Rede ist von der Auwald- und der Hyalomma-Zecke, die immer h\u00e4ufiger in hiesigen Gefilden aufgefunden werden.<\/p>\n<p>Wenn sie sonst zu nichts taugen &#8211; als Aufh\u00e4nger, um mal wieder das Risiko durch hiesige Zeckenarten kolportieren, kommen sie gerade recht. Weit verbreitet ist der Gemeine Holzbock (Ixodes rizinus), der je nach Wetterlage ganzj\u00e4hrig aktiv sein kann. Seine Lieblingssaison ist der milde, nicht zu trockene Fr\u00fchling. Seine Mitbringsel hei\u00dfen Borreliose, Anaplasmose und FSME. Sein Status in der Bev\u00f6lkerung: extrem verhasst.<\/p>\n<p>Besonders die durch den Holzbock \u00fcbertragene Borreliose macht Hundebesitzern Angst. Sie \u00e4u\u00dfert sich in den meisten F\u00e4llen durch eine Polyarthritis mit wechselnden (intermittierenden) Lahmheiten. Typisch ist der schubweise Verlauf. Nach wochen- oder monatelangen symptomfreien Phasen kommt wieder ein Ausbruch mit heftigen Gelenkschmerzen und vielleicht Fieber, was Apathie und Appetitmangel ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>Allerdings korreliert die Panik vor der Borreliose kaum mit den tats\u00e4chlichen Fallzahlen. Die durch schraubenf\u00f6rmige Bakterien ausgel\u00f6ste Erkrankung wird von vielen Wissenschaftlern als \u201eextrem \u00fcberdiagnostiziert\u201c bezeichnet, sprich: Sie gehen von einer gro\u00dfen Zahl falsch positiver Resultate aus. In den USA kursieren Sch\u00e4tzungen, dass kaum f\u00fcnf Prozent der Borreliose-Diagnosen tats\u00e4chlich stimmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Dass die Gefahr der Borreliose so hochgespielt wird, l\u00e4sst sich auch auf wirtschaftliche Interessen zur\u00fcckf\u00fchren<\/h3>\n<p>Hinter entsprechenden Ver\u00f6ffentlichungen stecken meist entweder Hersteller von Parasitenschutzprodukten oder Impfstoffen. Die Impfung gegen Borreliose wird aber von der St\u00e4ndigen Impfkommission Veterin\u00e4rmedizin als Non-Core (nur unter besonderen Umst\u00e4nden notwendig) eingesch\u00e4tzt. Manche Uni-Tierkliniken raten sogar davon ab \u2013 die Impfung gilt als schlecht vertr\u00e4glich und in ihrer Schutzwirkung mangelhaft.<\/p>\n<p>Dem entgegen stehen hohe Infektionsraten. \u201eWas??!!!\u201c, ruft jetzt mancher erschrocken aus und greift zum Telefon, um einen Impftermin zu vereinbaren. Doch halt, Moment! Infektion bedeutet nur, dass der Hund schon einmal heimlich Kontakt zu einer Borrelie hatte, dass sein Organismus also Bekanntschaft mit dem Erreger gemacht hat. Gegen diesen hat das Immunsystem Antik\u00f6rper ausgebildet, die im Labor messbar sind. Eine Erkrankung aber, also die Ausbildung von Symptomen, manifestiert sich sehr selten. Angesehene Virologen gehen davon aus, dass weitaus die meisten Hunde eine Resistenz gegen Borrelien entwickeln. Das Tier wird zwar von den Bakterien heimgesucht, sein Immunsystem h\u00e4lt sie aber unter Kontrolle, eliminiert sie.<\/p>\n<p>Die Anaplasmose wird ebenfalls durch Bakterien ausgel\u00f6st. \u00c4hnlich wie bei der Borreliose wird nach dem Stich des \u00dcbertr\u00e4gers, also des Gemeinen Holzbocks, nach 24 bis 48 Stunden das Bakterium in den Endwirt \u2013 den Hund \u2013 eingeschleust. Zu Krankheitsausbr\u00fcchen kommt es \u00e4u\u00dferst selten, allerdings ist die Symptomatik nicht ohne: Fieber, Apathie und Fressunlust, Blutungen durch Abnahme der Thrombozyten, Polyarthritis, neurologische St\u00f6rungen und weitere Beschwerden k\u00f6nnen sich nach einer Inkubationszeit von zwei bis 20 Tagen zeigen. Eine Impfung gibt es nicht.<\/p>\n<p>Auch vor der Fr\u00fchsommer-Meningoenzephalitis (FSME) kann man den Hund nicht durch eine Impfung sch\u00fctzen \u2013 die f\u00fcr den Menschen in Endemiegebieten empfohlen wird. Allerdings tragen selbst in Hochrisikogebieten nur wenige Holzb\u00f6cke das Virus in sich, und die meisten Hunde scheinen dagegen immun zu sein. Nur ganz wenige F\u00e4lle von FSME bei Hunden sind bekannt, immer war das Immunsystem bereits durch Vorerkrankungen geschw\u00e4cht. Die Viren sind \u00fcbrigens nur in Teilen von Deutschland verbreitet. Auf der <u>Webseite des Robert-Koch-Instituts*<\/u> findet man Karten, auf denen die befallenen Landkreise markiert sind.<\/p>\n<p>\u201eAngst essen Seele auf\u201c, lautet der Titel eines Fassbender-Films. Ich passe das an durch \u201eInformationen essen Angst auf\u201c. Wer Risiken einzusch\u00e4tzen wei\u00df, kann sachlich damit umgehen.<\/p>\n<p>Die Gefahr durch Zeckenstiche ist also nicht so gro\u00df, wie es durch die Berichterstattung in Zeitschriften und Internet den Anschein hat. Trotzdem m\u00f6chte man sich und den Hund vor m\u00f6glichen Erkrankungen sch\u00fctzen. Gerne wird daf\u00fcr ein modernes Medikament empfohlen in Form von Tabletten, die bis zu vier Monate Schutz vor Zecken und Fl\u00f6hen bieten sollen. Ich pers\u00f6nlich rate davon ab \u2013 es sind viele Todesf\u00e4lle und heftige Nebenwirkungen bekannt, so dass sogar auf beh\u00f6rdliche Anweisung die Warnungen in der Packungsbeilage versch\u00e4rft werden mussten. Andere M\u00f6glichkeiten zum Schutz bieten beim Tierarzt erh\u00e4ltliche spezielle Parasitenhalsb\u00e4nder oder Spot-on-Pr\u00e4parate, die dem Hund auf die Haut getr\u00e4ufelt werden. Diese herk\u00f6mmlichen Produkte enthalten Neurotoxine, also Nervengifte, mit denen man sehr sparsam umgehen m\u00f6chte (ausf\u00fchrliche Informationen zu der gesamten Problematik finden Sie in meinem <u>Buch \u201eTierisches Risiko \u2013 Parasiten und Prophylaxe beim Hund\u201c<\/u>). Das gilt \u00fcbrigens auch f\u00fcr frei verk\u00e4ufliche chemisch-synthetische Pr\u00e4parate.<\/p>\n<p>Es gibt verschiedene nat\u00fcrliche Alternativen, zum Beispiel Produkte auf Neem-\u00d6l-Basis f\u00fcr die \u00e4u\u00dferliche Anwendung, auch als Halsband oder Spot on. Manche Hundehalter sch\u00fctzen ihre Tiere durch das t\u00e4gliche Auftragen von \u00c4therischen \u00d6len oder durch Nahrungserg\u00e4nzung mit Bierhefe, Knoblauch oder Cistus Incanus. Wo wenig Zecken kursieren, reicht es bei aus, nach dem Spaziergang das Fell zu durchsuchen und die Qu\u00e4lgeister abzusammeln.<\/p>\n<p>Zu den Alternativen muss man sich klar machen, dass sie aufwendiger sind, als einmal monatlich die Chemie vom Tierarzt anzuwenden, und dass nicht jede Ma\u00dfnahme jeden Hund gleich sch\u00fctzt. Dennoch entwickeln viele Halter effektive Hausmittel, so dass ihre Lieblinge vor Zecken UND vor Neurotoxinen gesch\u00fctzt sind. Zu den Alternativen schreibe ich ausf\u00fchrlich in K\u00fcrze in einem weiteren Blog-Beitrag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\/ Link RKI: <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/F\/FSME\/Karte_Tab.html\">https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/F\/FSME\/Karte_Tab.html<\/a><\/p>\n<p>\/ Link Buch: <a href=\"https:\/\/www.tierisches-risiko.de\/\">https:\/\/www.tierisches-risiko.de\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neuank\u00f6mmlinge geistern durch die Gazetten \u2013 und sie haben acht Beine: Neue Zeckenarten \u00fcberfallen Mitteleuropa und bringen gef\u00e4hrliche","protected":false},"author":11,"featured_media":9910,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[288,253,289,287],"class_list":["post-9793","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesundheit","tag-alternative-medizin","tag-naturheilkunde","tag-sommer","tag-zecken"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/flexi.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9793","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/flexi.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/flexi.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/flexi.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/flexi.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9793"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/flexi.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9793\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/flexi.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9910"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/flexi.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9793"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/flexi.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9793"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/flexi.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9793"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}