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Im Notfall: So leisten Sie Erste Hilfe bei Ihrem Hund

Alles kann passieren: Eine Beißerei unter Hunden, eine beim Gassigang zugezogene Verletzung, der Hund erscheint auf einmal matt und schlapp. Was sollte man in diesen Fällen als Hundebesitzer machen?

Zunächst einmal sollte man in der Lage sein zu beurteilen, ob es sich um einen Notfall handelt, der sofort behandelt werden muss oder ob man sich für den Besuch beim Tierarzt noch etwas Zeit nehmen kann.

Aber was ist ein Notfall überhaupt?

 

Ein Notfall erfordert schnelles Handeln

Ein Notfall zeichnet sich stets dadurch aus, dass ein schnelles Handeln durch den Hundebesitzer erforderlich ist, da es sich um eine unmittelbare Gefahr für das Leben des Hundes handelt.

Zu den häufigsten Notfällen gehören:

  • Allergien
  • Hitzschlag
  • Magendrehung
  • Schock
  • Verletzungen und Brüche
  • Vergiftungen

 

Die Normalwerte des Hundes – Das TAPS Schema

Um im Notfall den Gesundheitsstatuts des Hundes richtig einschätzen zu können, sollte man als Hundebesitzer mit den Normwerten der Vitalfunktionen vertraut sein. Idealerweise üben Sie die Untersuchungen bereits am gesunden, unverletzten Hund. So haben Sie die Handgriffe trainiert und können im Ernstfall schnell reagieren.

Um die Normalwerte zu überprüfen, eignet sich das TAPS Schema:

T = Temperatur

A = Atmung

P = Puls

S = Schleimhäute

 

Temperatur

Die Temperatur kann beim Hund nur rektal gemessen werden.  Die Normalwerte liegen zwischen 37,5 ° und 39 °C. Wenn der Hund stark aufgeregt ist, kann es auch zu einer Erhöhung der Körpertemperatur kommen, ohne dass eine Erkrankung vorliegt.

 

Atmung

Um die Atmung des Hundes bestimmen zu können, sollte auf das Heben und Senken des Brutkorbes geachtet werden. 10-30 Atemzüge pro Minute sind dabei normal für den Hund.

Ist die Atmung sehr schwach, kann es vorkommen, dass sich der Brustkorb nur noch wenig anhebt und absenkt. In diesen Fällen kann ein Spiegel oder Handy hilfreich sein. Beschlägt es, atmet der Hund noch.

 

Puls und Herzschlag

Der Herzschlag lässt sich sehr gut an der linken Brustwand (Höhe Ellbogen) fühlen und der Puls ist mittig an der Innenseite des Oberschenkels tastbar. Je nach Größe und Rasse des Hundes sind 80-120 Schläge/Minute normal.

 

Schleimhäute

Durch die Überprüfung der Schleimhäute kann der Kreislaufzustand des Hundes beurteilt werden. Hierzu wird die Maulschleimhaut (alternativ auch die Bindehäute) betrachtet. Bei einem gesunden Hund sind sie rosa.

Abweichend können die Schleimhäute blass bis weißlich, bläulich, stark gerötet oder gelblich verfärbt sein.

Daneben wird die sogenannte Kapillare Füllungszeit (KFZ) bestimmt. Dazu drücken Sie mit einem Finger auf die Maulschleimhaut und lassen anschließend wieder los. Das durch den Druck entwichene Blut, sollte sich nun innerhalb von zwei Sekunden wieder aufgefüllt haben und die Stelle rosa erscheinen. Abweichungen können ein Hinweis auf einen Kreislaufschock sein.

 

Atem- und Herzstillstand

Sind bei dem Hund weder Atem- noch Herzschlag feststellbar, muss unmittelbar mit den Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden.

Hierzu kann man das ABC- Schema nutzen.

 

Das ABC-Schema

Ziel dieser Maßnahmen ist, die Sauerstoffversorgung der wichtigen Organe wiederherzustellen.

A = (Airways) Atemwege frei machen

B = (Breathing) Beatmung durchführen

C = (Circulation) Blutzirkulation wieder herstellen

 

Atemwege

Als Erstes sollten die Atemwege freigemacht werden. Öffnen Sie hierzu die Schnauze des Hundes und ziehen Sie die Zunge nach vorne. Sehen Sie in den Rachen und entfernen ggf. Fremdkörper, Erbrochenes oder Schleim.

 

Beatmung

Nachdem die Atemwege freigemacht wurden, kann mit der Beatmung begonnen werden. Dazu sollte die Schnauze geschlossen und der Kopf nach hinten gestreckt werden.

Anschließend kann der Hund durch die Nase (eventuell mit einem vorgehaltenen Tuch) beatmet werden.

Beatmen Sie ihn zwei mal hintereinander. Anschließend erfolgt eine kurze Pause. Danach kommen wieder zwei Beatmungsstösse.

Achten Sie dabei auf den Brustkorb des Hundes. Wenn dieser sich sehr stark hebt und senkt, sollte mit weniger Druck gearbeitet werden. Dieser Vorgang sollte solange durchgeführt werden, bis der Hund wieder selbstständig atmet.

 

Herzkreislauf

Wenn beim Hund kein Herzschlag bzw. Puls fühlbar ist, sollte unmittelbar mit der Herzmassage begonnen werden.

Dazu legen Sie den Hund idealerweise auf die rechte Körperseite und legen beide Hände übereinander, flach auf den Brustkorb, etwa auf Höhe des Ellbogens. Die Arme sind dabei durchgestreckt.

Bei kleinen Hunden reicht manchmal auch schon eine Hand oder gar zwei Finger.

Jetzt führen Sie ca. zehn mal hintereinander eine Herz-Druck-Massage aus. Danach erfolgt eine zweimalige Beatmung und anschließend wieder die Herz-Druck-Massage.

Sodass sich folgender Rhythmus ergibt:

10 mal Herz-Druck-Massage – 2 mal beatmen – 10 mal Herz-Druck-Massage – 2 mal beatmen …

Diese Maßnahmen sollten mindestens zehn Minuten durchgeführt werden.

 

Die wichtigsten Regeln für den Notfall

Bewahren Sie bitte Ruhe.

Nötige Entscheidungen können nur getroffen werden, wenn man ruhig und besonnen handelt.

Bedenken Sie außerdem, dass sich Ihre Ruhe auch auf Ihren Hund überträgt.

Denken Sie an Ihren eigenen Schutz. Ihre eigene Sicherheit geht vor. Noch der liebste Hund kann bei starken Schmerzen oder einer Verletzung um sich beißen.

Im Idealfall sollten die Nummern des Haustierarztes bzw. der nächsten Tierklinik im Handy abgespeichert bzw. griffbereit sein. So entfällt langes Suchen und Sie können sich schneller auf den Weg machen.

Beachten Sie auch die Öffnungszeiten Ihres Tierarztes. Viele Tierarztpraxen bieten keinen durchgängigen Notdienst an. In diesen Fällen sollte alternativ eine Tierklinik angefahren werden.

Es empfiehlt sich, immer den Tierarzt oder die Tierklinik vorab telefonisch zu informieren. Zum Einen kann der Tierarzt Ihnen schon richtige Anweisungen hinsichtlich Transport oder Stabilisierung geben und zum Anderen geben Sie ihm so die Möglichkeit, sich auf Ihr Kommen vorzubereiten.

 

Die häufigsten Notfälle

Allergien

Wie manche Menschen, können auch Hunde allergisch reagieren, z. B. auf Insektenstiche.

Wenn der Hund von einem Insekt gestochen wurde, sollte er innerhalb der ersten 30 – 90 Minuten beobachtet werden. Denn die meisten allergischen Reaktionen treten innerhalb dieser Zeitspanne auf. Anzeichen einer Überempfindlichkeiten sind:

  • Starke Schwellung an Kopf und Hals (auch wenn der Stich nicht dort erfolgt ist)
  • Nesselsucht
  • Atembeschwerden
  • Starker Speichelfluss
  • Erbrechen und Durchfall
  • Bewusstlosigkeit oder Orientierungslosigkeit
  • Krampfanfälle

Wurde der Hund im Bereich der Maulhöhle gestochen, bzw. Sie wissen, dass Ihr Hund an einer bekannten Allergie leidet, suchen Sie bitte umgehend eine Tierarztpraxis oder Tierklinik auf.

 

Hitzschlag

Bei einem Hitzschlag kommt es infolge einer Überhitzung zu einem Kreislaufversagen. Dabei steigt die Körpertemperatur auf bis auf 42° C an. Der Hund zeigt zumeist folgende Symptome:

  • Erbrechen
  • Schnelles Hecheln
  • Rasender Herzschlag
  • Der Hund erscheint matt, ist kaum ansprechbar
  • Eventuell Krämpfe, Bewusstlosigkeit

Der Hund sollte sofort in den Schatten gebracht und langsam abgekühlt werden. Dazu eignen sich nasse Tücher oder fließendes Wasser. Niemals darf der Hund mit eiskaltem Wasser übergossen werden, da dies zum Schock führen kann.

 

Massive Blutungen

Bei einer schwerwiegenden Blutung besteht immer akute Lebensgefahr. Daher sollte als Erstes geschaut werden, woher die Blutung genau kommt.

Handelt es sich um eine arterielle Blutung erfolgt ein pulsierender , hellroter Blutfluss. Bei einer venösen Blutung ist der Blutfluss eher kontinuierlich und das Blut erscheint dunkelrot.

Starke Blutungen an den Gliedmaßen können zunächst durch das Abbinden (z. B. mittels eines Gürtels) gestoppt werden. An anderen Stellen empfiehlt sich das Anlegen eines Druckverbandes.

 

Magendrehung

Bei einer Magendrehung dreht sich der Magen um seine eigene Längsachse, sodass Speiseröhre und Zwölffingerdarm verschlossen sind. Als Folge bläht sich der Magen rasch mit Gasen auf und drückt gegen das Zwerchfell, sodass die Atmung eingeschränkt wird.

Eine Magendrehung ist immer ein absoluter Notfall.

Der Hund kann folgende Symptome zeigen:

  • Atembeschwerden
  • Erfolglose Brechversuche und/ oder würgen
  • Speicheln
  • Schnelles Aufblähen des Bauches
  • Unruhe, Hecheln
  • Herz-Kreislauf-Versagen

 

Schock

Ein Schock kann immer in Folge von Verletzungen, Unfällen und Krankheiten entstehen und ist immer eine lebensbedrohliche Situation, die leider nicht immer sofort von außen sichtbar ist. Bei einem Schock kommt es zu einer Minderdurchblutung der Organe und zum Organversagen.

Um einen Schockzustand zu erkennen, sollten die Schleimhäute, die Kapillare Füllungszeit, die Herz- bzw. Pulsfrequenz sowie die Atmung kontrolliert werden.

Blasse Schleimhäute, eine verlängerte Kapillare Füllungszeit, sowie ein schneller Puls und eine schnelle, flache Atmung können Hinweise auf einen Schock sein.

 

Starke Verletzungen und Brüche

Wenn sich der Hund eine schwerwiegende Verletzung zugezogen hat, sollte als allererstes das Bewusstsein überprüft werden.

Rufen Sie hierfür den Namen Ihres Hundes und achten auf die Augen-, Ohren und Schwanzreaktion. Außerdem sollten die Schleimhäute, sowie Herz- bzw. Pulsfrequenz und Atmung kontrolliert werden.

Knochenbrüche sind äußerst schmerzhaft und müssen daher unverzüglich tierärztlich untersucht werden. Auf Grund der Schmerzhaftigkeit empfiehlt es sich, dem Hund bei Verdacht immer einen Maulkorb oder Schnauzverband anzulegen.

Für alle Knochenbrüche gilt, dass sie durch einen Verband möglichst stabilisiert werden sollten. Im Notfall können aus Tüchern und Kleidungsstücken, Papprollen oder Zeitschriften eine Schiene gebastelt werden.

 

Vergiftungen

Wenn der Hund etwas Giftiges aufgenommen hat oder damit in Berührung gekommen ist, sollte umgehend ein Tierarzt oder eine Tierklinik aufgesucht werden. Überprüfen Sie Temperatur, Schleimhäute und Puls Ihres Hundes. Wenn Sie bei der Giftaufnahme dabei waren, sollten Sie sich notieren, was, wie viel und wann es gefressen wurde.

Hat der Hund etwas Giftiges zu sich genommen, ohne dass es bemerkt wurde, können folgende Symptome auftreten:

  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Herz-Kreislauf-Versagen
  • Starkes Speicheln
  • Schwankender Gang

In gar keinem Fall sollte jedoch versucht werden, den Hund erbrechen zu lassen. Einige Gifte wirken ätzend und richten in der Speiseröhre größeren Schaden an als im Magen. Erbricht der Hund jedoch von alleine, sollten er nicht daran gehindert werden.

 

Übung macht den Meister

Um Abweichungen der Normalwerten des Hundes erkennen zu können, benötigt man etwas Übung. Ich empfehle Ihnen daher, die Bestimmung der Vitalparameter regelmäßig zu üben.

Wer also abends beim Kuscheln auf der Couch ganz entspannt und unauffällig Puls- und Atemfrequenz zählt und die Schleimhäute, sowie kapillare Füllungszeit überprüft, hat schon wertvolle Informationen über seinen gesunden Hund gesammelt. So kann im Notfall schnell und sicher gehandelt werden.

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